{"id":4846,"date":"2022-06-22T15:24:26","date_gmt":"2022-06-22T13:24:26","guid":{"rendered":"https:\/\/mapeadventures.ch\/?p=4846"},"modified":"2022-08-06T05:25:07","modified_gmt":"2022-08-06T03:25:07","slug":"nordseekueste-von-amsterdam-richtung-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mapeadventures.ch\/?p=4846","title":{"rendered":"Nordseek\u00fcste von Amsterdam Richtung Hamburg"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Montag, 27. Juni 2022<\/strong><br>Heute Abend reisen wir mit dem Nachtzug nach Amsterdam. Die Fahrr\u00e4der sind nat\u00fcrlich dabei. Was uns noch auf Trab h\u00e4lt, ist die Frage: Wie, wo und unter welchen Umst\u00e4nden k\u00f6nnen wir unsere E-Bikes verladen&#8230;?<br>Um 19:57 f\u00e4hrt unsere S\u2013Bahn nach Luzern. Unsere E\u2013Bikes sind bereit, die Ketten ge\u00f6lt, die Pneus aufgepumpt, die Sagoschen und der Rucksack aufgeschnallt. Wir k\u00f6nnen starten.<br>In Luzern erwartet uns die erste \u00dcberraschung: Der Zug nach Z\u00fcrich hat herk\u00f6mmliche, einst\u00f6ckige Eisenbahnwagen &#8211; und das heisst, alles Gep\u00e4ck abschnallen, Akkus entfernen, denn die Velos werden an Haken h\u00e4ngend transportiert. Mit der freundlichen Mithilfe des SBB\u2013Zugbegleiters schaffen wir es fast problemlos, die schweren Bikes in den Wagen zu heben und regelkonform an die Haken hinauf zu stemmen.<br>In Z\u00fcrich k\u00f6nnen wir wieder auf die Mithilfe des Kondukteurs z\u00e4hlen. Aber beim Einlad in den Night\u2013Jet nach Amsterdam m\u00fcssen wir es selber schaffen. Daf\u00fcr steht aber in unserem Schlafabteil f\u00fcr jedes von uns eine Papiertasche mit einem Fl\u00e4schchen Prosecco, mit etwas  Knabberzeugs, mit einem Paar Finken und anderen Utensilien bereit. Nun geniessen wir auf der Fahrt Richtung Basel die Annehmlichkeiten dieses Nachtzugs. Dabei rattert und sch\u00fcttelt es immer wieder.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_0_placeholder\n\n\n\n<p><strong>Dienstag, 28. Juni 202<\/strong>2<br>Die Nacht geht recht schnell vorbei, wir schlafen beide relativ viel. Aber um sechs sind wir wach. Schon kurz danach treffen wir in K\u00f6ln ein. Unser Zug h\u00e4lt unmittelbar vor der imposanten Frontfassade des Doms. Kurz nach acht werden wir vom Schlafwagenschaffner mit einem f\u00fcr die Umst\u00e4nde reichhaltigen Fr\u00fchst\u00fcck bedient. Wir geniessen die feinen Lebensmittel aus \u00f6sterreichischen Betrieben, alles schmeckt vorz\u00fcglich.<br>Um ca. viertel nach neun f\u00e4hrt unser Zug in Amsterdam Centraal ein. Unser Gep\u00e4ck und die Velos schaffen wir zusammen problemlos aufs Perron. Probleme stelle sich erst, als wir den Lift ben\u00fctzen wollen, um den Ausgang zu erreichen. Der erste Lift ist ausser Betrieb, der zweite hat zu kleine Ausmasse f\u00fcr unsere Gef\u00e4hrte, so dass nur die Treppe zum Hinuntersteigen auf den Groundfloor \u00fcbrig bleibt, und das mit Velos von \u00fcber 20 kg Masse und mit nicht viel weniger wiegendem, aufgeschnalltem Gep\u00e4ck. Sagoschen, Rucksack und Lenkertasche abschnallen, eine \u00e4usserst schmale Rinne am Rande der steilen Stiege und ein freundlicher Bahnangesteller sind unsere Rettung. Aber das Verlassen des Bahnhofareals ist damit noch nicht geschafft. Das verhindern Barrieren, die sich nur nach dem Einscannen eines QR-Codes auf dem Bahnticket heben. Und unser SBB-Ticket verf\u00fcgt selbstverst\u00e4ndlich nicht \u00fcber einen g\u00fcltigen Code. Ist das etwa so, weil der Bundesrat die Verhandlungen \u00fcber den Rahmenvertrag mit der EU abbrach? Auf einer Notruf-S\u00e4ule nebenan kann ich Kontakt aufnehmen mit einer unsichtbaren Person, die mir eine der verschlossenen Barrieren \u00f6ffnet und uns damit das Verlassen des Bahnhofareals erm\u00f6glicht.<br>Nun heisst es erst mal, sich orientieren, Strassennamen zu erkennen, Wegweiser zu studieren. Und dann geht die Velotour los. In z\u00fcgigem Tempo fahren wir auf stark befahrenen Radwegen unserem ersten Ziel, Haarlem, entgegen. Es ist ein gutes Gef\u00fchl, wieder einmal mit schwer bepacktem Velo in fernen Landen unterwegs zu sein. Der Weg ist gut ausgeschildert. In Haarlem fahren wir ins Zentrum, bestaunen die spezielle Architektur der Geb\u00e4ude, die Klapp- und Drehbr\u00fccken \u00fcber die vorbeif\u00fchrende Gracht und geniessen in einem Strassencaf\u00e9 einen Cappuccino. Anschliessend geht die Fahrt weiter, und pl\u00f6tzlich einmal steht \u201eZandvoort\u201c, unser erstes Ziel, nicht mehr auf den Wegweisern. Wir haben uns verfahren. Aber mit Hilfe von Margrits Handy finden wir zur\u00fcck auf den richtigen Weg und erreichen nach einer weiteren Pause und rund 40 km Fahrt unser Ziel und unsere vorgebuchte Unterkunft . Dort k\u00f6nnen wir duschen und uns f\u00fcr den sp\u00e4tnachmitt\u00e4glichen Ausgang zurecht machen. In zwei Strandrestaurants in sonniger Lage mit einem reichhaltigen Angebot lassen wir den Abend ausklingen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mittwoch, 29. Juni (Namenstag: Peter und Paul)<\/strong><br>Wir sind beide schon fr\u00fch wach und vertreiben uns die Zeit mit Schreiben, denn schliesslich m\u00fcssen wir die uns selbst auferlegte Pflicht erf\u00fcllen. Zudem ist in unserem Zimmer eine Kaffeemaschine mit allem Zubeh\u00f6r, so dass wir total wach und angeregt starten k\u00f6nnen.<br>Schon vor acht machen wir uns auf den Weg. Wir folgen den Markierungen des Nordseek\u00fcsten-Radwegs bis kurz hinter Zandvoort und zweigen dann in den D\u00fcnenradweg Richtung Norden ein. Die einmalige D\u00fcnenlandschaft des Nationalparks Zuid-Kennemerland beeindruckt uns sehr. Es ist eine abwechslungsreiche Fahrt, die wir hier erleben. Es gibt sehr trockene Regionen mit viel Sand und wenig Pflanzenbewuchs, aber auch Kiefernw\u00e4lder und gr\u00fcne Gebiete, die wir durchqueren. Der Weg ist mit vielen Kurven, Steigungen und Gef\u00e4llen durchsetzt. Zwischendurch f\u00fchrt die Route in der N\u00e4he von gr\u00f6sseren und kleineren Teichen mit einer artenreichen Vogelwelt vorbei. Wir beobachten u.a. Grau-, Kanada- und Nilg\u00e4nse. Lauthals bemerkbar machen sich Sichels\u00e4bler, Flussseeschwalben, verschiedene M\u00f6wenarten und Stare. Zwergtaucher, unterschiedliche Enten, H\u00f6ckerschw\u00e4ne u.a. bev\u00f6lkern die Wasserfl\u00e4chen. Und pl\u00f6tzlich hoppelt noch ein Wildhase eine D\u00fcne hoch, und zwei Austernpicker ruhen sich neben einem Abfallk\u00fcbel aus. Ja, es gibt hier viel zu sehen.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_1_placeholder\n\n\n\n<p>In Wijk an Zee kaufen wir uns je einen kalten Kaffee, Brot und Fr\u00fcchte, und da draussen neben dem Laden gleich ein Tisch mit B\u00e4nken steht, verzehren wir das Gekaufte gerade hier. Eine kleine Pause tut gut.<br>Anschliessend fahren wir schon bald wieder durch die D\u00fcnen: hinauf, hinunter, links und rechts, und immer wieder gibt es etwas Neues zu beobachten. Zwischendurch legen wir ein paar km auf dem Radweg entlang einer Strasse zur\u00fcck. Da geht es meist etwas schneller. In einem Strassencaf\u00e9 legen ihr die Strategie fest, wie wir zu unserer vorgebuchten Unterkunft gelangen. Nach einigen km Weiterfahrt stellen wir dann fest, dass wir schon zu weit gefahren sind. Mit Hilfe von GoogleMaps, einem freundlichen alten Herrn und dem bikeline- Radf\u00fchrer gelangen wir dazu: ein Wohnwagen- und Wohnmobild\u00f6rfchen mit dazwischen gestreuten Baubaracken, eingerahmt von einer Pferdestallung und der zugeh\u00f6rigen Weidefl\u00e4che. Zwei Damen empfangen uns und teilen uns die f\u00fcr unsere \u00dcbernachtung vorgesehene Baubaracke auf R\u00e4dern zu. Der Komfort ist minimal, der Raum aber liebevoll und kitschig dekoriert, die WC- und Duschanlage sauber, aber leicht stinkig. F\u00fcr eine Nacht ist das wohl stemmbar. So richten wir uns ein, duschen und fahren mangels anderer Gelegenheit mit unseren Bikes zum Nachtessen ins n\u00e4chste Dorf, Julianadorp. Hier finden wir ein akzeptables Angebot und geniessen den Abend an der Sonne mit Bier, Wasser, Wein und verschiedenen Speisen. Die R\u00fcckfahrt gelingt problemlos. Schon bald versinken wir in s\u00fcssen Schlaf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Donnerstag 30. Juni<\/strong><br>Wenn man m\u00fcde ist, schl\u00e4ft man auch bei geringstem Komfort wunderbar. So ist es uns in der vergangenen Nacht ergangen. Nach kurzem Frischmachen und l\u00e4ngerem Packen fahren wir mit abfahrbereiten Bikes zum Haus unseres Gastgebers. In einem herrschaftlichen Raum mit vielen ornamentalen Gegenst\u00e4nden kitschigen und antiken Urspungs, grossen Fenstern ohne Vorh\u00e4ngen und mit M\u00f6beln verschiedener Ahnen ausgestattet steht auch ein grosser Tisch mit vielen Fr\u00fchst\u00fcckbeilagen. Wir geniessen ein ausgiebiges Mahl.<br>Gut gen\u00e4hrt und zufrieden fahren wir nun zum F\u00e4hrenterminal nach Texel. Die F\u00e4hre bringt uns in rund 20 Minuten auf die Insel. Erstes Ziel ist Den Hoorn, wo wir bei der Kirche eine Bank, Tische und St\u00fchle vorfinden, die zum Verweilen einladen. Hier erg\u00e4nzen wir das nahrhafte Fr\u00fchst\u00fcck mit Fr\u00fcchten aus unserem eigenen Vorrat. Der n\u00e4chste Halt findet in Den Burg statt. Neben dem Restaurant, wo wir einen Kaffee genie\u00dfen, werden gerade Filmaufnahmen f\u00fcr eine Bierwerbung, Texels Bier, gemacht? Spannend, da einiges mitzubekommen.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_2_placeholder\n\n\n\n<p>In Oosterend probieren wir einen pannenkoeken mit Texelkaas. Der schmeckt lecker. Dann geht\u2019s der K\u00fcste entlang auf und neben dem Deich Richtung Norden. Westlich des Deiches befinden sich viele Gew\u00e4sser mit einer Unzahl nistender Wasserv\u00f6gel. Mit viel Gekreische und Pfeifen streiten sich M\u00f6wen, Seeschwalben, G\u00e4nse und andere Arten um Futter, Nistpl\u00e4tze und bei der Verteidigung ihrer Jungen. Auf der Westseite des Teiches sind die Wege wegen des aktuellen Brutgesch\u00e4fts einiger gesch\u00fctzter Arten teilweise gesperrt. Und immer wieder weiden Schafherden dazwischen.<br>Unser Ziel ist der Hafen der F\u00e4hre nach Vlieland. Bevor diese um 17:15 Uhr ablegt, k\u00f6nnen wir uns noch einen Abstecher zum Leuchtturm leisten. Und dann beginnt das Abenteuer. Die F\u00e4hre nach Vlieland ist ein \u00e4lterer Kahn, erreichbar \u00fcber einen sandigen Weg \u00fcber eine D\u00fcne und anschlie\u00dfend \u00fcber einen Holzsteg mit steiler Rampe hinunter zur Anlegestelle. Die mitgebrachten Fahrr\u00e4der werden mit einem Seil an der Reling des Schiffes fixiert. Die Fahrt dauert nur etwa 20 Minuten. Dann f\u00e4hrt der Kahn mit dem Bug voran auf die riesige Sandbank, die zur Insel Vlieland geh\u00f6rt. Eine vorne ausklappbare Gangway, die \u00fcber einen kleine Treppe erreichbar ist, wird ausgefahren. Alle Passagiere und alle Velos werden \u00fcber diesen schmalen Steg auf den nassen Sand entladen und m\u00fcssen auf einen Speziallaster wieder aufgeladen werden &#8211; ein recht m\u00fchseliges Prozedere. Darauf f\u00e4hrt ein junger Chauffeur nach kurzer Schilderung, was uns erwartrt, los. Wir halten uns w\u00e4hrend der Fahrt, bei der es nur so unter den R\u00e4dern hervorspritzt, fest. Sie dauert rund eine halbe Stunde.<br>Der Ablad erfolgt mit Hilfe der Mitfahrenden schnell und unkompliziert. Noch rund neun km Fahrt stehen uns bevor. Dann erreichen wir unser Hotel.<br>Das Nachtessen nehmen wir in einem Lokal rund 100 m vom Hotel entfernt ein. Ein Teller gebratener Miesmuscheln und ein Bier kr\u00f6nen den Abend. Doch pl\u00f6tzlich und unerwartet ist ein Gewitter da. Es regnet wie aus K\u00fcbeln und will einfach nicht mehr aufh\u00f6ren. So werden es zwei oder drei Glas Bier f\u00fcr mich und dieselbe Anzahl Gl\u00e4ser Wein f\u00fcr Margrit, und es sch\u00fcttet weiter. Kurz vor elf stellt sich eine Pause ein, in der wir beinahe trocken zu unserem Hotel zur\u00fccklaufen k\u00f6nnen. Allerdings tragen wir unsere Schuhe in den H\u00e4nden mit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Freitag, 1. Juli<\/strong><br>Der heutige Tag verl\u00e4uft weniger spektakul\u00e4r. Da die F\u00e4hre erst um zehn vor zw\u00f6lf f\u00e4hrt, machen wir bis zum Auscheck-Termin einen Spaziergang in Oost-Vlieland und l\u00f6sen gleich noch die Tickets am Schalter. Nach dem Verlassen des Hotels geht es immer noch l\u00e4nger als eine Stunde bis zur Abfahrt. Unterdessen kommt die F\u00e4hre an, und das heisst Szenenwechsel. Hunderte Touristen verlassen das Schiff, ergiessen sich auf den Platz beim Hafen und verteilen sich in die angrenzenden Strassen. Also machen wir noch einen kleinen Ausflug mit vollbepacktem Velo, da das Einsteigen noch nicht freigegeben wird. Als wir kurze Zeit sp\u00e4ter zum Hafen zur\u00fcck kommen, befinden sich noch mehr Menschen auf dem Platz, viele davon mit Fahrr\u00e4dern und Koffern. Der Einlad erfolgt dann sehr speditiv, und wir staunen, wie die beiden Schiffsangestellten die Velos entgegennehmen und sie sehr nah nebeneinander stellen.  Nun geniessen wir die etwa 95-min\u00fctige \u00dcberfahrt nach Harlingen.<br>Bei der Ankunft sieht es zwar zuerst sehr nach Chaos aus bei den Velos. Aber die meisten Leute warten geduldig, bis ihr Gef\u00e4hrt frei zug\u00e4nglich ist und verlassen das Schiff darauf z\u00fcgig. Wir begeben uns sofort auf den Veloweg und werden allerdings bei einer Zugbr\u00fccke, die gerade hochgezogen wird, gebremst. Und hier ist nicht mehr grosse Geduld vorhanden. Einige pressante Leute kenne da kein Pardon und k\u00e4mpfen sich zur Barriere vor, und als diese dann gehoben wird, entsteht ein heftiges Gedr\u00e4nge. Wir haben Zeit. und dann ist das Losfahren doch eine Erl\u00f6sung. Mit viel R\u00fcckenwind  erreichen wir unser Ziel, das B&amp;B \u201chet lage noorden\u201c in Marrum, etwas sp\u00e4t. <\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_3_placeholder\n\n\n\n<p>Aber dieses B&amp;B hat es in sich. Es liegt mitten im Landwirtschaftsgebiet, nahe einem Deich, rund 4 km ausserhalb Marrum. Ein Architekt und Kunstm\u00e4zen, selbst K\u00fcnstler, hat hier einen grossen Bauernhof gekauft und die Scheune zu einem Ausstellungs- und Ateliergeb\u00e4ude mit Kantine umgebaut. Hier drin wirken bildende K\u00fcnstler. Zudem hat er Fremdenzimmer gestaltet, die er an Durchreisende vermietet und diesen auch Fr\u00fchst\u00fcck serviert. Den Siloturm hat er zu einem Aussichtsturm mit Innentreppe umgbaut. Er erinnert uns an Wetz mit seinem KKLB. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samstag, 2. Juli<\/strong><br>Zusammen mit einem Radfahrerpaar aus der Gegend von Offenburg geniessen wir das Fr\u00fchst\u00fcck an einem grossen Tisch und tauschen uns angeregt aus. Es ist recht vielf\u00e4ltig. Bedient werden wir vom Chef des Hauses pers\u00f6nlich. <br>Danach geht unsere Fahrt weiter. Uns fallen auf dem Weg Richtung Norden die vielen Monumente auf, die an Erfolge im Deichbau, an Unwetter mit katastrophalen Folgen und an Ereignisse im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg erinnern. <br>Unterwegs machen wir Halt in einem Vogelschutzgebiet und beobachten aus einer Hide heraus die Umgebung, finden aber wenig Neues. Erw\u00e4hnenswert ist, dass im Innern des Verstecks unter der Decke mehrere Nester von Rauchschwalben h\u00e4ngen, die bewohnt sind. Die Eltern-Schwalben f\u00fcttern ihre Jungen trotz unserer Anwesenheit, setzen sich auf Abs\u00e4tze und machen mit schrillem Pfeifen darauf aufmerksam, dass wir ungebetene G\u00e4ste sind. So verlassen wir dann die Hide schon bald wieder.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_4_placeholder\n\n\n\n<p>Draussen telefonieren wir verschiedenen Anbietern von Unterk\u00fcnften und haben zun\u00e4chst wenig Erfolg, bis dann doch noch die Betreiberin eines Campings und Bungalows in Molenrij uns eine Zusage geben kann. Und nun sitze ich gem\u00fctlich in der Stube des Bungalows und schreibe diese Zeilen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sonntag, 3. Juli<\/strong><br>Es ist halb sieben vorbei. Um acht kommt die Betreiberin des Betriebs mit dem Fr\u00fchst\u00fcck vorbei. Anschliessend geht es weiter nach Delfzijl, wo wir f\u00fcr heute Abend bereits gestern Abend ein Hotelzimmer buchen konnten. <\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_5_placeholder\n\n\n\n<p>Nach dem reichhaltigen Fr\u00fchst\u00fcck, von dem einiges \u00fcbrig blieb, machen wir uns auf den Weg. Kurz vor Pieterburen gelangen wir auf den Radweg. Er f\u00fchrt uns an den Deich zur\u00fcck. Da kommen wir wieder einmal bei einem Vogelschutzgebiet vorbei. Dieses macht sich schon weit im Voraus durch Pfeifen und Kreischen bemerkbar. An wenigen T\u00fcmpeln hat sich eine riesige Anzahl Individuen versammelt. Speziell daran ist, dass eine grosse Gruppe L\u00f6ffler dabei ist. Erw\u00e4hnenswert ist auch die ansehnliche Anzahl Sichelschn\u00e4bler, die hier laut dabeistehender Orientierungstafel ihr Brutgesch\u00e4ft wahrnehmen.<br>Der Weg f\u00fchrt in vielen wechselnden Abschnitten durch die Gegend. Einmal fahren wir z\u00fcgig einem Deich mit Schafweiden entlang, wobei die verschiedenen Weidenareale durch Weideroste, die leicht zu \u00fcberfahren sind, voneinander getrennt sind. Dann wieder sind selbst zuklappbare Gattertore dazwischen, bei denen man oft absteigen muss, um sie zu durchfahren. Mal sind es breite Strassen, die wir befahren, ein anderes Mal wieder schmale, kurvenreiche Pflaster- oder Betonplattenwege, die es nicht erlauben, mit einem entgegenkommenden Fahrer ohne abzusteigen auszuweichen. In Ortschaften drin werden wir oft auf Umwegen zu den Sehensw\u00fcrdigkeiten wie Kirchen, einem Schloss oder einem Denkmal geleitet. Es gilt immer, aufmerksam zu sein, und langweilig wird es uns nicht. So gelangen wir nach einem Picknickhalt auf einem Parkb\u00e4nklein und nach einer Kaffeepause in einem Schlosskaffee nach Delfzijl, wo wir dank Margrits Handy problemlos unser Hotel finden. Telefonisch melden wir uns beim Betreiber an, und der gibt uns die Anweisungen telefonisch durch, wie wir ins Zimmer gelangen und wie die Velos verstaut werden. Per Fernbedienung \u00f6ffnet er uns die T\u00fcre. Wir erreichen das Zimmer nicht, da beginnt es zu regnen, und das recht massiv, aber nicht allzu lang.<br>Bei der Heimkehr vom Nachtessen begegnen wir dem Angestellten, der die Lebensmittel f\u00fcrs Fr\u00fchst\u00fcck liefert, das wir uns morgen selber zusammenstellen und zubereiten k\u00f6nnen. Zum Abschluss m\u00fcssen wir dann das Geschirr in den Geschirrsp\u00fcler stellen und den elektronischen Zimmerschl\u00fcssel auf den Tisch im Zimmer legen. Und nun heisst es schlafen und Energie tanken f\u00fcr den morgigen Tag.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Montag, 4. Juli<\/strong><br>Fr\u00fcher als sonst kommen wir heute zu unserem Fr\u00fchst\u00fcck. Wir k\u00f6nnen, da wir uns in einem \u201eSelbstbedienungshotel\u201c befinden, Geschirr und Besteck aus dem K\u00fcchenm\u00f6bel, Butter, Fleisch, K\u00e4se, Milch und Johurt aus dem K\u00fchlschrank nehmen, Kaffee an der Kaffemaschine herauslassen und unser selbst zusammengestelltes Fr\u00fchst\u00fcck im Gemeinschaftsraum geniessen. Allerdings gesellt sich niemand zu uns. <br>Nach dem Genuss machen wir uns f\u00fcr die Wegfahrt bereit. Wir starten bei sonnigem Wetter. Zuerst geht es durch Industriegel\u00e4nde mit intensivem Lastwagenverkehr und stinkiger Luft und dann neben Deichen mit Schafweiden entlang. Zum Gl\u00fcck sind die meisten \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Weiden mit Weidrosten voneinander abgetrennt. Aber die Schafe halten nichts von Ordnung und Sauberkeit. Sie legen sich hin, wo es ihnen passt, und verrichten ihr Gesch\u00e4ft oft auf den Radwegen. Da heisst es Slalom fahren, einerseits um die Schafe, die selten bis nie scheu sind, zu schonen und andererseits um die Koth\u00e4ufchen, deren Bestandteile gerne an den Velopneus im Profil kleben bleiben und zum Himmel stinken, zu vermeiden.<br>Allm\u00e4hlich verd\u00fcstert sich der Himmel und Regen droht. Da kommen uns die seit wenigen Minuten geltenden anders organisierten Radwegmarkierugen sehr entgegen. Wir sind n\u00e4mlich jetzt in Deutschland. Da werden die Radwege mit speziellen Wegweisern versehen, auf denen Zielorte mit deren Entfernung angegeben sind. Da lesen wir, dass Ditzum \u00fcber einen massiv k\u00fcrzeren Weg erreichbar ist. Aufgrund des drohenden Regens entschliessen wir uns f\u00fcr die rund 20 km k\u00fcrzere Variante.<br>Da sich unterwegs der Himmel nach ein paar Tropfen schon bald wieder freundlicher zeigt, machen wir auf einer Bank noch eine Mittagsrast mit Picknick. Danach fahren wir weiter, landen direkt vor der F\u00e4hre nach Petkum mit ausgefahrener Einfahrtsrampe und rollen darauf. Wenige Minuten sp\u00e4ter legt sie ab und setzt \u00fcber. Unsere Unterkunft liegt praktisch am Radweg.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_6_placeholder\n\n\n\n<p>Nach der Dusche und einer fl\u00fcssigen Erfrischung im Biergarten machen ihr noch einen Spaziergang auf den naheliegenden Deich. Auch hier liegt ein weiteres Vogelparadies f\u00fcr ans\u00e4ssige und wiederkehrende Brutv\u00f6gel wie auch Durchz\u00fcger. Leider habe ich das Fernglas im Hotel gelassen. Aber wir h\u00f6ren einige bekannte Stimmen und sehen auf den bereitgestellten Tafeln, was alles hier zu beobachte w\u00e4re.<br>Das Nachtessen, eine Scholle nach Finkenwerder Art f\u00fcr mich und ein Salatteller f\u00fcr Margrit, runden den Tag ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dienstag, 5. Juli 2022<\/strong><br>Unsere Fahrt beginnt heute bei blauem Himmel, Sonnenschein und angenehmer Temperatur. Es steht uns die Durchquerung von Emden bevor. Schon aus der Karte im Bikeline-F\u00fchrer ist ersichtlich, dass dieses Unterfangen nicht ganz einfach ist. Wir kommen jedoch gut zurecht mit der Linienf\u00fchrung, bis auf den Schluss. Da m\u00fcssen wir pl\u00f6tzlich feststellen, dass wir an einem selben Ort anlangen, wo wir schon einmal gewesen sind. Beim zweiten Anlauf schaffen wir es dann doch noch.<br>Unser erstes Ziel heute ist das Siel- und Sch\u00f6pfwerk Knock westlich von Emden. Dort l\u00e4sst sich die alte Anlage aus dem 19. Jahrhundert betrachten. Sie ist nicht mehr in Betrieb. Die Bogen\u00f6ffnung ins Wattenmehr hinaus ist zugemauert. Ein paar hundert Meter davon entfernt wurde die neue Anlage erbaut. Solche Werke regulieren den Wasserstand hinter den Deichen und bewirken demzufolge, dass die Landoberf\u00e4chen nicht geflutet werden, was zurzeit so oder so keine Gefahr darstellt.<br>Wir w\u00e4hlen als n\u00e4chstes die Routenvariante, die ein St\u00fcck von der Meeresk\u00fcste wegf\u00fchrt. So gelange wir nach Rysum, einem St\u00e4dtchen, das seinen Ursprung auf einer Warft hatte. Warften sind aus Erde angeh\u00e4ufte H\u00fcgel in bei Stumflut \u00fcberflutunsgef\u00e4hrdeten Gegenden. Die roten, einst\u00f6ckigen Backsteingeb\u00e4ude sind typisch f\u00fcr die Gegend. Die ganz unterschiedlich gestalteten H\u00e4user und die engen und verwinkelten Wege verleihen der Ortschaft eine malerische Wirkung auf uns Betrachter.<br>Zur\u00fcck am Deich entlang, fallen uns eine grosse Menge Leute bei einem Leuchtturm auf. Es ist der Pilsumer Leuchtturm, der offenbar eine magische Anziehunskraft auf die Menschen aus\u00fcbt. Dahinter steckt Otto, der friesische Spassmacher. Das Geb\u00e4ude kommt in mindestens zweien seiner Filme vor. Ein riesiger Parkplatz und ein grosser Kinderspielplatz mit allerlei Ger\u00e4ten tragen das ihre dazu bei.<br>Schwarze Wolken ziehen auf. Der Wind wird kr\u00e4ftiger und k\u00fchler. Gepicknickt haben wir, aber ein Kaffee t\u00e4te schon gut in dieser Situation. Deshalb zweigen wir in Greetsiel vom Radweg ab ins St\u00e4dtchen. Und siehe da, da gibt es eine Pizzeria, betrieben von einem Italiener. Und hier bestellen wir zwei Cappuccini und ein Tiramisu. Traumhaft schmecken die \u201es\u00fcsse Versuchung\u201c und der Kaffee. Und zudem hellt sich nicht nur unsere Stimmung auf, der Himmel macht auch mit.<br>Mit einigen kleinen Problemen beim Auffinden des richtigen Weges schaffen wir die Ankunft in Leezdorf, wo wir f\u00fcr die Nacht gebucht haben.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_7_placeholder\n\n\n\n<p>Ein schmackhaftes Essen (Schollenfilet mit Salzkartoffeln f\u00fcr mich, Blumenkohlfrikadellen an einer Zigeunersosse f\u00fcr Margrit) und ein Glas Weisswein schaffen die n\u00f6tige M\u00fcdigkeit, um in einen ruhigen Schlaf hinein zu gleiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mittwoch, 6. Juli<\/strong><br>Nach einer ruhigen Nacht und einem reichhaltigen Fr\u00fchst\u00fcck in unserem Hotel machen wir uns bereit. Wir sind etwas fr\u00fcher dran als sonst, und der Himmel ist weitgehend bedeckt. Also ziehen wir uns etwas w\u00e4rmer an. Und dann geht die Fahrt los. Da wir etwas abseits des Nordsee-Radwegs \u00fcbernachteten, m\u00fcssen wir zuerst mal die offizielle Route wieder finden, was uns doch etwas M\u00fche macht, da der Weg oft etwas fragmentarisch beschildert ist. Mit Hilfe des Norddeutschen Systems mit nummerierten Knotenpunkten finden wir den richtigen Weg.<br>Schon bald fallen die ersten Tropfen. Zum Gl\u00fcck fahren wir gerade zu diesem Zeitpunkt einen der genannten Knotenpunkte an, wo ein Unterstand steht, der uns Schutz vor dem Regen gibt. Ein \u00e4lterer Herr f\u00e4hrt dazu, und im Gespr\u00e4ch mit ihm \u00fcber die bevorstehende Etappe gibt er uns wertvolle Hinweise. Er r\u00e4t uns, die Deichroute zu w\u00e4hlen, da sie besser zu befahren sei. Und der Regen ist vorbei.<br>Als dann aber beim Erreichen des Deiches dort ein Fahrverbot und ein Hinweis stehen, dass es wirklich verboten sei, da lang zu fahren, zweifeln wir an seinem Rat. Aber eine soeben hinzukommende Frau mit Hund zerstreut unsere Bedenken und erkl\u00e4rt uns, dass der betreffende Weg mit Fahrr\u00e4dern problemlos zu befahren sei, was er dann wirklich auch ist. Praktisch ist dabei auch die M\u00f6glichkeit, entweder auf der Aussenseite (Meeranstoss) oder auf der Innenseite (Landanstoss) zu fahren. Am Vormittag ist Ebbe, am Nachmittag setzt die Fut ein. Zudem besteht hier und da die Variante Deichkrone. Was etwa M\u00fche bereitet, sind die \u00dcberg\u00e4nge von einer Schafweide zur andern. Da gibt es breite bis ganz schmale Weidroste, \u00dcberg\u00e4ge mit Rampen, Tore, die leicht schr\u00e4g gestellt sind, damit sie nach dem \u00d6ffnen selber wieder schliessen. Im schlimmsten Fall m\u00fcsste man den Zaun \u00fcbersteigen, aber mach das mit unseren Velos und dem Gep\u00e4ck drauf.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_8_placeholder\n\n\n\n<p>In Norddeich angekommen, stellen wir unsere Fahrzeuge ab und unternehmen einen Rundgang durch die Tourismus-Anlagen. Als erstes fallen neben den vielen Leuten die vielen Strandk\u00f6rbe auf. Da gibt es ein grosses, eingez\u00e4untes Areal mit eben diesen K\u00f6rben, mit vielen Menschen und fast ebenso vielen Hunden: der Hundestrand. Ein riesiger Spielplatz mit allerlei Attraktionen geh\u00f6rt dazu und nat\u00fcrlich Verpflegunsst\u00e4nde und ein Restaurant mit Innen- und Aussenbereich, windgesch\u00fctzt mit hohen Plexiglasw\u00e4nden. Aber auch der Natur wird Raum gegeben, gibt es doch eingez\u00e4unte Areale, wo zum Schutz der Oberf\u00e4che D\u00fcnengr\u00e4ser angesetzt wurden, um dem Wandern der D\u00fcnen Einhalt zu Gebieten. Zudem sind die Touristen zu erw\u00e4hnen, die je nach Empfindlichkeit mit Badekleidern oder in M\u00e4ntel geh\u00fcllt herumlaufen. Am Rand zum Meer, wo jetzt Ebbe herrscht, waten Menschen durch den Schlick, zum gr\u00f6sseren Teil barfuss, einige wenige mit Stiefeln. Mit Spaten lochen sie im Schlick. Was sie dabei ausgraben, entzieht sich meiner Kenntnis. Es geht hier sehr gesch\u00e4ftig zu. Wir sind froh, als wir mit unseren Velos wieder ruhigere Gegenden vor uns haben.<br>Allerdings kommt alles anders. Die Weiterfahrt dem Deich entlang mit gutem R\u00fcckenwind und einigem Abstand zwischen uns, Margrit hinten, ich vorne, wird j\u00e4h unterbrochen durch einen Aufschrei meiner besseren H\u00e4lfte. Mir stockt das Blut in den Adern, bremsen, nach hinten schauen\u2026 Gl\u00fcck! Margrit ist nicht gest\u00fcrzt, steigt aber vom Velo. Was ist los? Ihr Sattel l\u00f6ste sich bei voller Fahrt mit einem lauten Knall, wie sie sagte, vom Velo und fiel auf den Boden. Sie konnte auf den Pedalen stehend bremsen. Was ist passiert? Die eine Schraube, mit der der Sattel auf die Stange, die in den Rahmen gesteckt wird, ist gebrochen, die zweite fehlt und ist unauffindbar. Wie weiter? Zur n\u00e4chsten Ortschaft, wo im bikeline-F\u00fchrer ein Fahrradverleih angezeigt wird, sind es rund f\u00fcnf km.<br>Was tun? Margrit will versuchen, diese Strecke auf den Pedalen stehend zur\u00fcckzulegen. Dann kommt ihr aber die Idee, den aufgeschnallten Rucksack etwas nach vorne zu schieben und ihn als Auflagefl\u00e4che f\u00fcr ihren Po zu nutzen. Auf diese Weise erreicht sie, zwar schwitzend, Nessmersiel, und wir finden schnell den gesuchten Verleih. Aber wie das so ist, ist er am Mittwochnachmittag geschlossen, und niemand reagiert auf unser Klingeln. Gl\u00fccklicherweise kommt gerade die P\u00f6stlerin vorbei, und sie kann uns die Adresse und den Weg zu einer nahen Schlosserei beschreiben. Und da wird der Schaden unkompliziert, freundlich und g\u00fcnstig behoben.<br>Die Fahrt geht weiter. Unser Ziel ist Werdum, wo wir eine wundersch\u00f6ne und komfortable Unterkunft und ein gutes Restaurant zum Essen vorfinden. Dass wir uns nach dem feinen Essen sputen m\u00fcssen zu unserer Unterkunft zur\u00fcckzulaufen, h\u00e4ngt mit dem drohenden Regen zusammen, der kurz, nachdem wir unser Ziel erreicht haben, recht heftig einsetzt.<\/p>\n\n\n\n\n\n<p><strong>Donnerstag, 7. Juli<\/strong><br>Schon vor dem Fr\u00fchst\u00fcck regnet es, h\u00f6rt dann aber wieder auf, um w\u00e4hrend des Fr\u00fchst\u00fccks von neuem zu beginnen. Was erwartet uns denn heute? Jedenfalls ziehen wir uns etwas w\u00e4rmer an als bisher. Unser Gastgeber ist der Meinung, dass es heute nicht mehr regnet, seine Angestellte meint, dass der heutige Tag regnerisch werden wird. Dreimal suchen wir w\u00e4hrend unserer Fahrt, die nach Wilhelmshaven f\u00fchrt und rund 55 km lang ist, einen Unterstand auf. Aber dann ist es vorbei mit Regen.<br>Interessant ist der alte Hafen von Hooksiel, wo einige Gegenst\u00e4nde aus vorigen Jahrhunderten aufgestellt und beschrieben sind.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_9_placeholder\n\n\n\n<p>In Wilhelmshaven ist es f\u00fcr uns recht schwierig, uns zurechtzufinden, da die Radwege verwirrlich und unvollst\u00e4ndig beschriftet sind und kreuz und quer durch die Stadt f\u00fchren. Die Leute hier sind sehr freundlich und schnell bereit zu zu helfen, wenn wir wieder mal ratlos stehen bleiben und auf F\u00fchrer und Handy blicken. So sind wir heute schon fr\u00fch an unserem Ziel angelangt. Wir unternehmen eine ausgedehnten Spaziergang in der Stadt und gehen anschliessend in ein libanesisches Restaurant zum Essen. In der Hotelbar geniessen wir noch ein \u201cAbsackerli\u201c, bevor wir unser Zimmer beziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Freitag, 8. Juli<\/strong><br>Als wir erwachen und die Vorh\u00e4nge vor unseren Fenstern ziehen, erblicken wir zu unserer Freude einen klar blauen Himmel. Endlich kommt das sch\u00f6ne Wetter zur\u00fcck. Wir machen uns zurecht, packen unsere Sachen ein und gehen zum Fr\u00fchst\u00fcck, das hier in Deutschland eine ganz wichtige Rolle spielt. Heute ist es besonders vielf\u00e4ltig, und mindestens ich esse mich so richtig satt. Und dann geht\u2019s aufs Velo. Unterdessen hat sich das Blau am Himmel verzogen, und wir ziehen uns eine Jacke an. Als wir auf dem Deich anlangen, wo der Weg zu unserer n\u00e4chsten Station beginnt, werden wir wie schon an den Vortagen mit recht heftigen B\u00f6en konfrontiert. Und da ist nichts von Sommerw\u00e4rme zu sp\u00fcren.  Nichtsdestotrotz starten wir und werden werden immer wieder von ein paar am und auf dem Wasser lebenden V\u00f6geln abgelenkt. Da sind mal die M\u00f6wen, Brandg\u00e4nse, grossen Brachv\u00f6gel und noch ein paar andere Arten, die wir nicht identifizieren k\u00f6nnen, im allm\u00e4hlich trockener werdenden Wattenmeer erkennbar. Da unser n\u00e4chster Etappenort, Varel, nicht allzuweit entfernt ist, k\u00f6nnen wir uns Zeit lassen. <br>Auf einem der Deiche begegnen wir einer j\u00fcngeren Velofahrerin, die allein unterwegs ist. Im Gespr\u00e4ch kommen wir auf ihre Herkunft und ihre Ziele zu reden. Sie ist geborene Deutsche, lebt in Neuseeland und f\u00e4hrt gerne Rad.  In N\u00fcrnberg gestartet fuhr sie zuerst an den Bodensee, dann dem Rhein entlang nach Hoek van Holland und ist jetzt unterwegs auf der Nordseeroute bis an die Grenze zu D\u00e4nemark. Danach soll irgendwann die Ostseek\u00fcste noch drankommen. Wir w\u00fcnschen ihr gute Fahrt. Sie hat ambitioniertere Ziele als wir und will heute noch weiterkommen.<br>Interessant ist als n\u00e4chstes das Dorf Neustadtg\u00f6dens. In dieser Stadt gab es zu fr\u00fcheren Zeiten f\u00fcnf verschiedene Kirchengeb\u00e4ude, n\u00e4mlich ein lutherisches, ein katholisches, ein mennonitisches, ein reformiertes und ein j\u00fcdisches. Davon dient heute nur noch die lutherisch evangelische Kirche ihrem Zweck. Die j\u00fcdische Synagoge ist ein Museum und die \u00fcbrigen Geb\u00e4ude wurden zweckentfremdet. Diese  Kenntnisse vermittelt uns ein Einwohner, den Margrit angesprochen hat. Zudem stehen hier noch drei Windm\u00fchlen. In der einen wurde Getreide gemahlen, die anderen beiden dienten als Wassersch\u00f6pfwerke.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_10_placeholder\n\n\n\n<p>Als wir in Varel einfahren, f\u00e4llt uns ein besonders s\u00fcsser Geruch auf. Schliesslich kommen wir der Sachen auf die Spur. Hier befindet sich ein Fabrikationsbetrieb von Bahlsen. Die Suche nach unserer heutigen Unterkunft, gebucht \u00fcber booking.com, macht uns heute besondere M\u00fche. Aber nach der Konsultation von Margrits Handy und verschiedener Passanten finden wir die Pension, in der auch ein asiatisches Restaurant integriert ist. Heute wird asiatisch gegessen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samstag, 9. Juli<\/strong><br>Heute steht uns laut Prognose ein windiger Tag bevor. Wir studieren vor dem Fr\u00fchst\u00fcck ausgiebig die Route, die uns aus Varel herausf\u00fchren soll, um Irrfahrten zu vermeiden. Zudem packen wir alles, um unmittelbar nach dem Essen starten zu k\u00f6nnen. <br>Wir schaffen den Start problemlos und stossen schon kurz nach Varel  auf eine Erd\u00f6lpumpe mitten in der Landschaft. Eine daneben angebrachte Informationstafel gibt Auskunft, dass hier in den Sechzigerjahren Erd\u00f6lvorkommen gefunden und bis 1993 ausgebeutet wurden. Als sie versiegten, wurde die Gegend renaturiert und wieder landwirtschaftlich genutzt.<br>Nun f\u00fchrt die Route mehrheitlich den Deichen entlang, und wir m\u00fcssen je nach Fahrrichtung recht streng gegen den Wind ank\u00e4mpfen. Da bew\u00e4hrt sich nun das E-Bike sehr. Mit dem herk\u00f6mmlichen Fahrrad w\u00e4re das eine viel m\u00fchsamere Sache. Und von Stunde zu Stunde nimmt die Windst\u00e4rke zu. Trotzdem machen wir gelegentlich einen Halt, sei es, um V\u00f6gel zu beobachten oder Muscheln f\u00fcr die Enkelkinder zu sammeln oder einen Drink und ein Krabbenbr\u00f6tchen zu geniessen. Schliesslich muss man sich bei diesem Krampf auch mal wieder Energie zuf\u00fchren. Aber gegen Schluss unserer Etappe fahren wir endlich Richtung S\u00fcdosten, und da hilft uns nun der Wind kr\u00e4ftig. In Windeseile erreichen wir Blexen, wo wir die F\u00e4hre \u00fcber die Weser nach Bremerhaven besteigen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_11_placeholder\n\n\n\n<p>Im Hafen angekommen, hilft uns GoogleMaps, das Hotel auf schnellstem Weg zu erreichen. Da wir fr\u00fchzeitig da sind, schaffen wir es, die Stadt noch etwas zu erkunden. Bremerhaven ist eine moderne Stadt mit grossen Pl\u00e4tzen und modernen Geb\u00e4uden. So eine richtig alte Hafenkneipe finden wir leider nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Sonntag, 10. Juli<\/strong><br>Entspannt k\u00f6nnen wir heute das Fr\u00fchst\u00fccksbuffet geniessen, das eine Riesenauswahl an leckeren Sachen bietet. Heute ist n\u00e4mlich das Radfahren vorbei. Wir fahren heute Abend mit dem Nachtzug zur\u00fcck in die Schweiz. Was bietet sich in Bremerhaven an? Diese Frage haben wir uns schon gestern gestellt und sind zum Schluss gelangt, dem Klimahaus unsere Aufmersamkeit zu schenken.<br>Vorerst aber r\u00e4umen wir nach dem reichhaltigen Morgenmahl unser Hotelzimmer und machen unsere Velos abfahrbereit. Wir k\u00f6nnen sie im Veloraum des Hotels stehen lassen und im Laufe des Nachmittags dort abholen.<br>Als n\u00e4chstes gehen wir zum nahe gelegenen Bahnhof, wollen uns dort \u00fcber die Bahnfahrt mit Mitnahme der Fahrr\u00e4der nach Hamburg informieren und die entsprechenden Tickets kaufen. Das Reisezentrum ist aber coronabedigt geschlossen, was immer das auch heissen mag. Also m\u00fcssen wir uns anderweitig klug machen. Eine Kioskverk\u00e4uferin und ein Passant k\u00f6nnen uns ein paar Tipps geben, und so lassen wir aus dem Ticketautomat zwei neun Euro-Tickets f\u00fcr den Monat Juli und eine Karte f\u00fcr zwei Fahrr\u00e4der heraus.<br>Darauf machen wir uns auf denn Weg zum Klimahaus, das auf eindr\u00fcckliche Weise auf die Probleme der Klimaerw\u00e4rmung aufmerksam machen will. Die Ausstellung findet in verschiedenen R\u00e4umen von unten nach oben im Geb\u00e4ude  statt. Als Besucher folgt man einem Reisenden, der auf dem L\u00e4ngengrad 8\u00b0 34\u2019 Ost rund um die Erde reist und an verschiedenen Orten Halte einschaltet, um und sich mit Bewohnern dieser Orte \u00fcber ihre Lebensweise und ihre Erfahrungen auszutauschen. Dabei kommen diese Personen in Bild und Ton zu Wort. Zudem werden Landschaften, Lebensumst\u00e4nde und Tiere m\u00f6glichst real dargestellt. Die erste Etappe der Reise f\u00fchrt nach Isenthal in der Schweiz, die zweite nach Sardinien, dann sind Niger, Kamerun und die Antaktis an der Reihe. Vom S\u00fcdpol aus f\u00fchrt die Reise weiter auf der westlichen Erdh\u00e4lfte nach Samoa, Alaska und \u00fcber den Nordpol zur\u00fcck zur Hallig Langeness und Bremerhaven. Mehr kann man auf der Website des Klimahauses erfahren.<\/p>\n\n\n\nngg_shortcode_12_placeholder\n\n\n\n<p><br>Nach dem \u00fcber dreist\u00fcndigen Besuch gehen wir in die Innenstadt, wo ein Fischbr\u00f6tchen und ein Schwarzwaldbecher zum Abschluss unseres Aufenthalts an der Nordsee herhalten m\u00fcssen. Dann holen wir die Velos ab, fahren zum Bahnhof und reisen mit dem Regioexpress nach Buxtehude und darauf mit der S-Bahn nach Hamburg Altona. In einem nahen t\u00fcrkischen Restaurant essen wir noch etwas Kr\u00e4ftigendes, damit wir die Heimreise im Nachtzug gut \u00fcberstehen. Die Schlafwagenpl\u00e4tze waren bei der Buchung schon alle reserviert, deshalb l\u00f6sten wir erste Klasse. Nicht ganz \u00fcberraschend ist der Erstklasswagen der letzte Wagen des Zugs, die Velopl\u00e4tze befinden sich im zweitvordersten Wagen. Aber als ich mit Margrits Velo da vorne ankomme, ist er geschlossen. Ich denke, der wird dann schon ge\u00f6ffnet und hole mein Velo nach vorne. Wie ich mit dem zweiten Velo da bin, erkl\u00e4rt mir der Schaffner, dass dieser Wagen wegen technischer Probleme mit der Klimaanlage geschlossen bleibe. Ich k\u00f6nne die Fahrr\u00e4der im viertletzten Wagen hinstellen. Das mach ich darauf fluchend und l\u00e4sternd \u00fcber die deutsche Bahn. Der Schaffner kl\u00e4rt mich auf, das daf\u00fcr die \u00d6sterreichische Bundesbahn verantwortlich sei. Als n\u00e4chstes kann der Zug wegen technischer Probleme nicht losfahren. Und schon spielt sich ein neues Drama ab, weil eine Familie mit zwei Kleinkindern und und den Grosseltern im defekten Wagen Pl\u00e4tze reserviert hatte, diese jetzt nicht ben\u00fctzen kann und in den Erstklasswagen geschickt wurde mit dem Hinweis, dass sie Platz machen m\u00fcsse, wenn Passagiere die nun belegten Pl\u00e4tze reserviert h\u00e4tten. Jedenfalls ist die junge Mutter sichtlich entnervt und das j\u00fcngste Kind eifert der Mutter laut schreiend nach. Unterdessen hat sich die Situation beruhigt. Der Zug f\u00e4hrt in die Nacht hinein, und im Wagen wird es ruhig. Gute Nacht!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Montag, 11. Juli<\/strong><br>Kurz vor zwei Uhr morgens: Der Nachtzug steht schon einige Zeit still, nachdem er in Hildesheim einen l\u00e4ngeren Stopp eingelegt, noch mehr Wagen angeh\u00e4ngt hatte und nur noch abschnittsweise weiterfuhr und wieder stoppte. Dann kam der Alarm, ein immer wieder ert\u00f6nendes Piep-Signal. Dann ist pl\u00f6tzlich Aufregung, die Zugcrew wird in den Wagen 302 gerufen. Im Wagen verbreitet sich ein unangenehmer Geruch nach Rauch und Elektrosmog. Und jetzt ist der Piepton durchgehend. Durch den Lautsprecher kommt die Durchsage, dass alle Passagiere umgehend aussteigen m\u00fcssen. Wir staunen, wie das ohne Panik geschieht. Die Leute in unserem Wagen packen ihr Gep\u00e4ck und begeben sich auf den Weg nach vorne und hinten zum Ausstieg, ohne gross zu dr\u00e4ngeln. Wir schaffen es mit Ausnahme meines Handys, das gerade an der Steckdose h\u00e4ngt, all unser Gep\u00e4ck hinauszubringen. Zum Gl\u00fcck steht der Zug bei einem Bahnsteig, wo nun grosses Gedr\u00e4nge herrscht. Wir werden angewiesen, uns nach weiter vorne zu begeben. Von Ferne h\u00f6rt man, das Feuerwehrhorn und sieht wenig sp\u00e4ter das Feuerwehrauto zum Bahnhof fahren. Unsere Velos sehen wir zusammen mit andern in einem der vorderen Wagen, holen sie aber nicht heraus. Das Gedr\u00e4nge auf dem schmalen Bahnsteig ist zu gross, und wir wissen ja nicht, was genau los ist. \u00dcberraschend kommt die Entwarnug. Wir k\u00f6nnen an unsere Pl\u00e4tze zur\u00fcckkehren, was wieder einige Zeit in Anspruch nimmt. Nun wird \u00fcber den Lautsprecher auch eine Statusmeldungen durchgegeben: Feuer im vordersten Wagen nach der Lok, Feuerwehr hat das Problem im Griff, Schadenmanager der Bahn wird erwartet, der entscheidet, ob Weiterfahrt m\u00f6glich. Es ist jetzt fast drei Uhr, wir stehen noch, das Handy ist auch noch da und bis vor kurzem ert\u00f6nte alle paar Minuten noch das Alarm-Gepiepse. Wann wir zuhause ankommen werden, steht in den Sternen.<br>Kurz nach 12 Uhr fahren wir im Hauptbahnhof Z\u00fcrich ein. Zu unserem \u00c4rger f\u00e4hrt der Zug nach Luzern auf dem Gleis nebenan gerade ab, als wir die Velos ausgeladen haben. Mit grosser Versp\u00e4tung erreichen wir dann unseren Wohnort doch noch gesund und zufrieden, bereit f\u00fcr neue Abenteuer.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag, 27. Juni 2022Heute Abend reisen wir mit dem Nachtzug nach Amsterdam. Die Fahrr\u00e4der sind nat\u00fcrlich dabei. Was uns noch auf Trab h\u00e4lt, ist die Frage: Wie, wo und unter welchen Umst\u00e4nden k\u00f6nnen wir unsere E-Bikes verladen&#8230;?Um 19:57 f\u00e4hrt unsere S\u2013Bahn nach Luzern. 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