{"id":65,"date":"2013-09-08T18:47:02","date_gmt":"2013-09-08T16:47:02","guid":{"rendered":"http:\/\/mapeadventures.luckyweb.ch\/index.php\/?p=65"},"modified":"2020-08-02T15:59:22","modified_gmt":"2020-08-02T13:59:22","slug":"peru-rundreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mapeadventures.ch\/?p=65","title":{"rendered":"Peru-Rundreise"},"content":{"rendered":"ngg_shortcode_0_placeholder\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>1. Reisetag<br \/>\n<\/b><span style=\"font-size: small;\">Um 6 Uhr fuhren wir nach Z\u00fcrich Flughafen, wo nach und nach auch die anderen Reiseteilnehmer eintrudelten.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: small;\">Lang war der Flug \u00fcber den Atlantik. Elf Stunden im Flugzeug sitzen macht keinen Spass. Aber irgendwann sind diese Stunden auch vorbei, irgendwann kommt man am Ziel an. Wenigstens waren die Sitze bequem, das Personal freundlich und das Essen ausgezeichnet. Wir flogen mit Air France.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: small;\">Ren\u00e9 holte uns am Flugplatz ab und konnte auch gleich das Resultat des Champion League Finals verk\u00fcnden: 2:1 f\u00fcr Bayern.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: small;\">In Lima ist es 17.00 Uhr, aber in der Schweiz w\u00e4re es jetzt Mitternacht. Im Hotel treffen wir uns zu einem kleinen Begr\u00fcssungsdrink. Ein Pisco Sour auf Kosten des Hauses. Ren\u00e9 hat eine mobile Bank organisiert, so dass jeder ein paar Dollars in Soles umtauschen kann und danach machen sich ein paar Unentwegte auf zum Bummel durch Miraflores, dem modernen Viertel der Stadt. Es gibt so viel zu entdecken: ein Hochzeitspaar, das vor der Kirche neben der weissen Stretchlimousine posiert, die Katzen, die sich im Kennedypark unter den B\u00e4umen versammeln, die Maler, die ihre naiven Bilder pr\u00e4sentieren und all die Menschen, die den Samstagabend geniessen. In einem Strassenkaffee genehmigen wir uns einen Schlummertrunk. Die Musik aus den Boxen konkurrenziert lautstark mit dem Beat des n\u00e4chsten Bistros und dem Sound der gegen\u00fcberliegenden Bar. Und dann kommt auch noch der Strassens\u00e4nger mit der Gitarre und schmettert sein romantisches \u201eGuantanamera\u201c. Also eigentlich ein ganz gew\u00f6hnlicher Samstagabend in Lima.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>2. Reisetag<br \/>\n<\/strong><span style=\"font-size: small;\">Treffpunkt nach dem Fr\u00fchst\u00fcck ist um halb neun in der Hotellobby. Nach dem wunderbaren Fr\u00fchst\u00fccksbuffet sind alle gest\u00e4rkt und gut gelaunt bereit und gespannt, was dieser Sonntag in Lima zu bieten hat.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: small;\">Mit dem Touribus fahren wir nach Pueblo libre ins Arch\u00e4ologische Museum. Zuerst bewundern wir das typische Geb\u00e4ude im Haziendastil mit dem wunderbaren Innenhof. Eine riesige Engelstrompete w\u00e4chst da und Bougainvilleas s\u00e4umen die Bogens\u00e4ulen. Carmen, die deutschsprachige Touristenf\u00fchrerin, erkl\u00e4rt uns die verschiedenen Epochen von Perus Geschichte, und wir erkennen, dass die Inkas zwar ein bedeutender Volksstamm waren, aber l\u00e4ngst nicht der einzige. Der Sagen umwobene Goldschatz Perus stammt zum Beispiel von den Monchas, die viel fr\u00fcher gelebt und eine grosse Fertigkeit in der Goldverarbeitung entwickelt hatten. Das Gold der Inkas nahmen die Spanier mit und schmolzen es ein. Das existiere nicht mehr in Peru, erkl\u00e4rt uns Carmen.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: small;\">Nach dem informativen Museumsbesuch fahren wir in die Innenstadt. Bei der Plaza San Martin spazieren wir durch die ziemlich leere Fussg\u00e4ngerzone zur Plaza Mayor. In der Kathedrale ist Messe, beim Regierungssitz spielt die Musikkapelle, es ist Wachwechsel: genug zu sehen f\u00fcr einen kleinen Bummel. Vor dem Bischofssitz treffen wir uns zur Gruppenfoto und weiter geht der Spaziergang, vorbei am \u00e4ltesten Restaurant Limas beim alten Bahnhof.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: small;\">Im Convento San Francisco besuchen wir die Katakomben. Das Wetter ist wunderbar warm, ja gegen Mittag schon fast heiss, der Himmel ungew\u00f6hnlich blau, denn Lima liegt sehr oft unter einer Dunstglocke, so sagt man uns. Die Lage am Meer und die hohen Berge im R\u00fccken bringen es mit sich, dass sich der Dunst hier sammelt. Es regnet \u00fcbrigens sehr selten in der Gegend, das Wasser f\u00fcr die Stadt kommt von einem Fluss aus 40 km Entfernung. Alles hier ist k\u00fcnstlich bew\u00e4ssert.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-size: small;\">Zum Mittagessen fahren wir zur\u00fcck nach Miraflores, zum Larcomar, einem modernen Einkaufs- und Vergn\u00fcgungszentrum hoch \u00fcber der Pazifikk\u00fcste. Die Aussicht hinunter auf das Meer ist \u00fcberw\u00e4ltigend. Sch\u00e4umend werfen sich die Wellen an den Strand, was von zahlreichen Wellensurfern ausgen\u00fctzt wird. Hier in Larcomar gibt es auch jede Menge Restaurants, um unseren Hunger zu stillen. Am Nachmittag steigen wir hinunter ans Meer, schauen den Wellensurfern zu, beobachten die Inkaseeschwalben beim Fischfang und geniessen einen Drink im wundersch\u00f6nen Restaurant Rosa Nautica.<br \/>\n<\/span>Am Abend treffen wir uns zum Briefing in der Hotellobby. Morgen werden wir nach Iquitos fliegen. Vom Flugplatz geht es direkt weiter zur Urwaldlodge, daher heisst es, richtig packen, denn die Koffer werden in Iquitos bleiben. Nat\u00fcrlich ist die Spannung jetzt hoch. Was wird uns im Dschungel erwarten, was muss mitgenommen werden? Regenschutz, Taschenlampe, Ersatzkleider, Sonnencreme, Badekleider usw. geh\u00f6ren ins Handgep\u00e4ck der Rest bleibt im Koffer.<br \/>\nIn der N\u00e4he des Hotels gehen wir zu einem kleinen Nachtessen und dann ist relativ fr\u00fch Nachtruhe. Der Weckruf ist f\u00fcr drei Uhr organisiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>3. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Am fr\u00fchen Morgen verlassen wir Lima. Im Flughafen reicht es f\u00fcr einen Kaffee mit Croissant. Dann fliegen wir mit der Peruvian Airline in die Dschungelstadt Iquitos. Sie empf\u00e4ngt uns mit schw\u00fclfeuchter Hitze. Wir werden erwartet. Horacio und Keyla aus dem B\u00fcro der Urwaldlodge &#8222;<a title=\"Fuente del Amazonas Lodge\" href=\"http:\/\/www.fuentedelamazonas.com\/D_Bienvenido.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Fuente del Amazonas<\/strong><\/a>&#8220; erwarten uns mit den Guias May, David und Leoncio.<br \/>\nIn einem einfachen Lokal hat uns Horacio ein Fr\u00fchst\u00fcck organisiert. Die Besitzer kommen ganz sch\u00f6n ins Schwitzen bei dieser Kundschaft. Sie haben noch nie vorher Ausl\u00e4nder bedient, gestehen sie Ren\u00e9, aber wir finden, sie haben ihre Sache ganz gut gemacht. Es gibt Huevos fritos (Spiegeleier), Brot, zwei Sorten Fruchts\u00e4fte und Kaffee. W\u00e4hrend unserem Fr\u00fchst\u00fcck entdeckt Ren\u00e9 auf der anderen Strassenseite eine kleine Autowerkstatt. Nat\u00fcrlich muss er seinen Kollegen kurz \u00fcber die Schulter schauen, wie sie einen Pneu ersetzen, dessen Profil sich nur noch erahnen l\u00e4sst.<br \/>\nNach dem Fr\u00fchst\u00fcck bringt Keyla unsere Koffer ins Hotel in der Stadt, und wir fahren mit dem kleinen Gep\u00e4ck im Bus Richtung Nauta. Die gr\u00fcne, \u00fcppige Vegetation fasziniert. Manchmal stehen ein paar H\u00fctten am Strassenrand, aber die meiste Zeit fahren wir durch gr\u00fcne \u00fcppige Vegetation. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir Nauta, den kleinen Fischerort am R\u00edo&nbsp;Mara\u00f1\u00f3n. Hier erwartet uns Papa Horacio mit den Booten. Bevor wir losfahren, schlendern wir noch kurz \u00fcber den kleinen Markt, besuchen die Halle, wo es unbekannte Fr\u00fcchte zu entdecken gibt, wie Camu Camu oder Aguaje, die Palmfrucht.<br \/>\nUnd dann ist es soweit, wir steigen in die Boote und fahren den Mara\u00f1\u00f3n&nbsp;hinunter. Nur der Schiffsmotor st\u00f6rt die Idylle. An den Ufern erkennen wir hohe B\u00e4ume und dichte W\u00e4lder. Manchmal gleitet ein Boot&nbsp;an uns vorbei, ein einsamer Fischer in seinem Einbaum, ein Motorboot, das Wellen schl\u00e4gt, die wir noch einen Moment sp\u00fcren. Beim Zusammenfluss von Mara\u00f1\u00f3n&nbsp;und R\u00edo Ucayali entdeckt May den ersten Delfin. Wir versuchen noch einen Moment, einen Blick auf eines der scheuen Tiere zu erhaschen. Schon bald legen wir am Ufer an. Wir sind angekommen. Noch ein kurzer Spaziergang durch den Dschungel und wir stehen vor der Lodge, unserem Heim f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Tage.<br \/>\nIn der offenen K\u00fcche brutzelt schon unser Mittagessen und es gibt einen Begr\u00fcssungsdrink: Camu Camu-Saft.<br \/>\nNach dem Mittagessen mit gekochtem Fisch, Reis und viel frischem Salat f\u00fchlen wir uns gest\u00e4rkt f\u00fcr die erste Exkursion. Gummistiefel fassen, Moskitospray verspr\u00fchen und los geht es. Eine Gruppe f\u00e4hrt hinaus auf den Fluss, Piranjas fischen. Wir sind gespannt, ob es f\u00fcr ein Nachtessen reicht. Die zweite Gruppe w\u00e4hlt den Anaconda-Trip und k\u00e4mpft sich durch den Busch. Der Rest geht mit May den Jaguar-Way.<br \/>\nMit David sind wir zu viert unterwegs. Achtsam und m\u00f6glichst lautlos bewegen wir uns vorw\u00e4rts. Er zeigt uns&nbsp;die alternative Moskitoabwehr. Dazu h\u00e4lt er die Hand in ein aufgekratztes Termitennest und wartet, bis die Termiten seine Hand erobert haben. Danach zerreibt er sie und streicht sie sich \u00fcber H\u00e4nde und Arme. Die Termiten hinterlassen einen ganz speziellen Duft, der die Moskitos abwehrt.&nbsp;David zeigt uns verschiedene Pflanzen, l\u00e4sst uns Fr\u00fcchte kosten und erz\u00e4hlt uns von deren Wirkungen bei Krankheiten. Er macht uns auf Tierlaute und V\u00f6gel aufmerksam und weiss, wo Taranteln leben. Diese k\u00f6nnen wir auf dem R\u00fcckweg beim Eindunkeln an einem Baum beobachten. Er&nbsp;zeigt uns noch, wie man mit Palmbl\u00e4ttern einen F\u00e4cher basteln kann. Der ist bei dieser Hitze auch sehr n\u00fctzlich.<br \/>\nNach dem Nachtessen nehmen wir zu zweit an einer Ayahuasca-Zeremonie&nbsp;mit einem Schamanen teil und lassen uns in die magische Welt der Eingeborenen einf\u00fchren &#8211; ein unvergessliches Erlebnis. Draussen ist der Vollmond aufgestiegen und scheint dazu gespenstig in unsere &#8222;H\u00fctte&#8220;. Nach diesem rund dreist\u00fcndigen feierlichen Akt schlafen wir bei den intensiven Ger\u00e4uschen und T\u00f6nen des Dschungels schon bald ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>4. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Schon vor dem Fr\u00fchst\u00fcck sind wir unterwegs, um V\u00f6gel zu beobachten, und k\u00f6nnen einige mit dem Feldstecher sehen. Zudem taucht&nbsp;die aufsteigende Sonne die ganze Gegend in eine magisches Licht.<br \/>\nNach dem Fr\u00fchst\u00fcck fahren wir auf den Ucayali hinaus. Schon bald sehen wir die Amazonasdelfine in geb\u00fchrendem Abstand rund ums Boot schwimmen und ihre Schnauze und R\u00fcckenflosse aus dem tr\u00fcben Wasser strecken. Zu zweit lassen wir es uns nicht nehmen, mit den Delfinen um die Wette zu schwimmen. Sie lassen sich aber deswegen keineswegs n\u00e4her heranlocken. So m\u00fcssen wir sie halt aus der Ferne beobachten. Leoncio, unser Guia, f\u00fchrt uns darauf in einen Seitenarm, wo eine riesige Anzahl weisser Reiher auf ihre Beute lauert. Bei einem Fischer holt er sich einige kleinere Fische, die er dann sp\u00e4ter zu K\u00f6dern zerteilt. Damit fischen wir nach Piranhas. Praktisch jeder hat dabei mindestens einmal einen dieser gef\u00fcrchteten Raubfische an der Angel. Da es aber immer nur kleine Exemplare sind, schenken wir ihnen die Freiheit wieder.<br \/>\nZum Mittagessen sind wir zur\u00fcck und erwarten die anderen Gruppen.&nbsp;Etwas l\u00e4nger warten wir auf die Leute, die mit May in Richtung Lagune unterwegs war. Sie sehen ziemlich mitgenommen aus. Alle sind mehrmals im sumpfigen Gel\u00e4nde stecken geblieben. May hat B\u00e4ume gef\u00e4llt, Br\u00fccken gebaut und ihnen immer wieder aus dem Sumpf geholfen. Der Schrecken steht allen noch im Gesicht, aber auch die Befriedigung, den Spaziergang \u00fcberlebt zu haben.<br \/>\nAm Nachmittag waten wir ebenfalls mit aktiver Hilfe der Guias durch den Sumpf zur nahen Lagune und fahren mit einem Boot hinaus, um dort die wundersch\u00f6ne Victoria Regia bzw. Amazonica, eine Riesenseerose, zu bewundern. Unterdessen befestigt Segundo, der Ayudante der Lodge, den Weg mit Bl\u00e4ttern und \u00c4sten, um das Einsinken zu verhindern.<br \/>\nAm Himmel haben sich nun grosse Gewitterwolken aufget\u00fcrmt. Im immer st\u00e4rker werdenden Regen begeben wir uns nun m\u00f6glichst schnell zur\u00fcck zur nahegelegenen Lodge.&nbsp;Abgek\u00e4mpft, m\u00fcde und nass, aber mit strahlenden Gesichtern kommen wir zur\u00fcck.<br \/>\nLangsam werden die trockenen und sauberen Kleider rar, und die Garderobe beim Nachtessen w\u00e4re vielleicht nicht mehr in jedem Restaurant angebracht. Da wir aber in der Lodge keinen Strom haben, und beim Schein der Petroleumlampen essen, st\u00f6rt das niemanden. Draussen geht unterdessen ein gewaltiges Gewitter \u00fcber den Dschungel.<br \/>\nHeute schlafen wir mit dem Regen ein. Im Speiseraum m\u00fcssen ein paar K\u00fcbel aufgestellt werden, wo das Dach nicht mehr dicht ist. Der Wind weht durch die B\u00e4ume, r\u00fcttelt an den Palmd\u00e4chern und rund um die Lodge verwandelt sich das Gel\u00e4nde in eine Wasserlandschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>5. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Weil es fast die ganze Nacht geregnet hat, verzichten wir auf nasse Vogelbeobachtungstouren vor Sonnenaufgang.<br \/>\nNach dem Fr\u00fchst\u00fcck brechen wir auf nach dem nahen Dorf Castilla. Am Ufer werden wir bereits von den ersten Einwohnern und Kindern erwartet. Sie begleiten uns ins Dorf. Schon beim ersten Haus werden wir aufgehalten, der Besitzer h\u00e4lt in seinem Haus ein junges Stachelschwein und m\u00f6chte es uns zeigen. Dass wir mitten in seinem Yuccafeld stehen, sagt er uns nicht, erst Leoncio, unser Guia macht uns darauf aufmerksam, auf die jungen Pflanzen R\u00fccksicht zu nehmen. Immer mehr Kinder gesellen sich zu uns und bereits finden ein paar unserer flauschigen Begleiter neue Besitzer. Scheu nehmen die Kleinen das Geschenk entgegen, wissen nicht richtig, was sie damit anfangen sollen. Sie sind sich nicht gewohnt, Geschenke zu erhalten. Aber heute ist \u201eWeihnachten\u201c im Dorf.<br \/>\nIn der Schule werden wir vom Lehrer und der Schulleiterin erwartet. 44 Kinder besuchen die Schule in f\u00fcnf Klassen. Alle werden in eines von drei Schulzimmern gerufen, und wir werden mit einem lauten Buenas dias begr\u00fcsst.<br \/>\nHoracio erkl\u00e4rt, dass wir aus der Schweiz seien und ein paar Geschenke mitgebracht h\u00e4tten. Er hat auf Kosten der Gruppe Schulmaterial eingekauft wie Hefte, Bleistifte, Kugelschreiber, Lineale, Farbstifte, Filzstifte, Radiergummis und Leim. And\u00e4chtig h\u00f6ren die Kinder zu, wir merken aber schnell, dass die Blicke der Buben vor allem den B\u00e4llen gelten, die vor dem Lehrerpult abgelegt wurden. Es folgen noch ein paar kurze Reden vom Lehrer und Beatrice muss auch noch etwas dazu sagen und dann geht es ans Verteilen der Sachen.<br \/>\nDie Kinder werden klassenweise aufgerufen, und wir verteilen die Sachen sch\u00f6n gleichm\u00e4ssig, so dass jedes Kind etwas aus der Geschenkkiste erh\u00e4lt. Ich glaube, dass unsere Freude ebenso gross ist wie die Freude der Kinder und ihrer Eltern. Und dann gibt es kein Halten mehr. Auf dem Spielfeld draussen gibt es einen Fussballmatch. Oskar hilft den M\u00e4dchen beim Volleyball und alle haben ungeheuer viel Spass und Ren\u00e9 spielt Fussball mit den Buben. Schnell geht die Zeit vorbei, und wir kehren zur\u00fcck zum Schiff, reich beschenkt mit all der Freude des ganzen Dorfes.<br \/>\nAls n\u00e4chstes \u00fcberqueren wir den Amazonas. Auf der anderen Seite liegt das kleine Dorf Grau. Man sieht, dass hier \u00f6fters Touristen vorbei kommen und dass die Vegetation leicht anders ist. Vielleicht ist es auch nur, dass die Leute bewusster anbauen, jedenfalls macht das Dorf einen etwas weniger desolaten Eindruck.<br \/>\nWir steigen auf den Aussichtsturm Mirador, den die Regierung hier vor ein paar Jahren aufstellen liess, um den Tourismus in der Gegend zu unterst\u00fctzen. Von hier aus haben wir beste Sicht auf den Zusammenfluss der beiden Fl\u00fcsse Mara\u00f1\u00f2n und Ucayali und damit auf den Anfang des Amazonas. Dann kehren wir im kleinen Laden ein und lutschen an Zuckerrohrfasern und trinken frische Kokosmilch.<br \/>\nBald geht es zur\u00fcck \u00fcber den Amazonas. In der Mitte, da wo das Geschiebe der beiden Fl\u00fcsse eine Insel bildet, legen wir an. Unsere K\u00fcchenmannschaft hat ein Picknick aufgebaut. Unter Palmzweigen steht ein Grill und unter T\u00fcchern ist der Salat bereit zum Servieren.<br \/>\nVor dem Essen tauchen einige von uns in die Fluten des Flusses, schwimmen im Amazonas, der ab hier so heisst: Was f\u00fcr ein Gef\u00fchl! Allerdings ist die Str\u00f6mung hier sehr stark, so dass man sich nicht zu weit vom Ufer entfernen sollte. Nach der Abk\u00fchlung stellen wir uns zum Essen Fassen an. Es gibt Poulet vom Grill, Reis und eine halbe Kartoffel, dazu frisches Gem\u00fcse und zum Dessert eine gesch\u00e4lte gr\u00fcne Orange, die an Grapefruits erinnert: ein wunderbarer Abschluss unseres Urwald-Abenteuers.<br \/>\nDann fahren wir den Ucayali hinauf. Noch einmal sehen wir ein paar Delfine und nach knapp zwei Stunden erkennen wir die Antennen von Nauta, wir sind zur\u00fcck in der Zivilisation.<br \/>\nKeyla erwartet uns mit dem Chauffeur des Busses. Knapp vor Sonnenuntergang kommen wir in Iquitos an. Der dunkle Eingang zum Hotel Casa Fitzcarraldo irritiert ein paar Gruppenmitglieder. Doch das ist gewollt, das Hotel will diskret bleiben.<br \/>\nWalter Saxer, der Besitzer, begr\u00fcsst uns pers\u00f6nlich. Weil man in Iquitos fr\u00fch isst und sp\u00e4t abends nicht mehr unterwegs ist, bleibt nicht viel Zeit zum Umziehen und frisch Machen. Schon bald sind wir in den typischen Mototaxis unterwegs zum Bulevard. &nbsp;Dort lassen wir den Abend in der Pizzeria Antigua ausklingen. Kurz nach 22 Uhr sind wir zur\u00fcck im Hotel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Der Tag begr\u00fcsst uns mit strahlendem Sonnenschein und einem opulenten Fr\u00fchst\u00fcck. Walter hat extra Schweizer Brot aus Lima mitgebracht. Dazu gibt es eine Schale frische Fr\u00fcchte, Butter, Quark, Schinken, Konfit\u00fcre und Spiegeleier oder R\u00fchrei.<br \/>\nFrisch gest\u00e4rkt fahren wir um neun Uhr mit den Mototaxis los, Richtung Belen Mercado. Unsere F\u00fchrer May, David und Horacio f\u00fchren uns in Gruppen durch die St\u00e4nde, und es gibt so viel Unbekanntes zu entdecken. Immer wieder f\u00e4llt auf, wie freundlich die Verk\u00e4ufer sind. Obwohl wir nichts kaufen, d\u00fcrfen wir probieren, werden uns Fr\u00fcchte aufgeschnitten, Fische gezeigt. Niemand wehrt sich gegen Fotos. Man l\u00e4chelt, freut sich \u00fcber ein <i>Buenos dias<\/i>, ein<i> Gracias<\/i>.<br \/>\nWir geraten immer tiefer in den Markt, und es gilt, auf Fotoapparat und Geld aufzupassen. Manchmal macht uns sogar ein Marktverk\u00e4ufer aufmerksam, die Kamera nicht nur am Handgelenk zu schlenkern, sondern wirklich in der Hand zu halten. Irgendwann kommen wir hinunter zum Fluss. Hier erwartet uns Miguel mit seinem Boot. Wir fahren durch die schwimmende Stadt zur\u00fcck zum Bulevard. Hier, in Belen, sind die meisten H\u00e4user auf Stelzen gebaut oder sie sind als Flosse konstruiert und schwimmen bei Hochwasser. Bei Trockenzeit sind sie irgendwo parkiert.<br \/>\nBeim Bulevard ist die Schule aus. Die Kinder verlassen das Schulhaus, und wir k\u00f6nnen beobachten, dass die meisten eine Uniform tragen: frisch gewaschene, weisse Blusen, fast nicht vorstellbar, wie die W\u00e4sche so sauber wird, denn die meisten Frauen waschen mit kaltem Flusswasser.<br \/>\nNach einem kurzen Zwischenstopp geht es mit den Mototaxis weiter zum Hafen von Nanay. Ab hier fahren wir mit dem Motor-Schnellboot hinaus zum &#8222;Buffeo rosado&#8220;. Hier, am Ufer des Rio Momon und Rio Nanay, wurde in den letzten Monaten ein ganzer Komplex aufgebaut. Es gibt Disco, Motorboote, Wasserscooter und jede Menge Musik und Spass. Heute wird ein Promotionsfilm f\u00fcr Iquitos gedreht. Am Ufer tanzen zwei leicht bekleidete M\u00e4dchen, und draussen im Wasser kurvt einen S\u00e4ngerin auf dem Jetboot und singt Playback zu den lauten Kl\u00e4ngen aus den Boxen. Ein Regisseur dirigiert mit schwingenden Armen, und das Ganze wird von einer grossen Kamera aufgenommen.<br \/>\nBald fahren wir mit dem Boot weiter. Wir besuchen das Pilpintuwasi, den Schmetterlingsgarten. Eine Schweizer Volont\u00e4rin f\u00fchrt uns durch den Garten und den kleinen Zoo. Besitzerin diese Parks ist die \u00d6sterreicherin Gudrun Sperrer, die uns zus\u00e4tzliche, spannende Informationen liefert.<br \/>\nDer n\u00e4chste Besuch gilt den Boras, einem Eingeborenenstamm. Die Angeh\u00f6rigen verdienen sich etwas Geld durch folkloristische Vorf\u00fchrungen. Nach vier T\u00e4nzen kann man verschiedene Handarbeiten kaufen.<br \/>\nZur\u00fcck fahren wir bei den Strahlen der tief liegenden Sonne. Es gibt eine kurze Rast im Hotel, den die einen f\u00fcr eine Abk\u00fchlung im Pool nutzen, w\u00e4hrend andere hinauf aufs Baumhaus steigen.<br \/>\nZum Nachtessen gehen wir ins \u201eAl Frio y al Fuego\u201c, das f\u00fcr uns alle eine \u00dcberraschung ist. Mit einem Boot werden wir \u00fcber den Flussarm gefahren. Das Restaurant ist auf allen Seiten offen, aber als ein starker Wind aufkommt, werden Plastikplanen heruntergelassen, so dass wir gut gesch\u00fctzt das feine Nachtessen geniessen und anschliessend zufrieden und satt ins Hotel zur\u00fcckfahren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Heute gilt es Abschied nehmen von Iquitos, von der Selva (Dschungel), von der Hitze. Es gibt ein schnelles Fr\u00fchst\u00fcck, und um sieben Uhr fahren wir los. Der Flieger geht um 8.30. Doch er hat Versp\u00e4tung. Eine gute Stunde sp\u00e4ter sitzen wir immer noch im Flughafen von Iquitos fest. Doch dann ist es endlich soweit, der Flieger der Peruvian Airlines landet, und kurz darauf heben wir ab, nach Lima.<br \/>\nWeil wir die Wartezeit in Iquitos verbracht haben, verk\u00fcrzt sich die Zeit in Lima, und schon bald startet der Weiterflug nach Cusco.<br \/>\nWir fliegen \u00fcber die Anden, diesmal in s\u00fcdlicher Richtung. Nach einer kurzen Strecke, auf der uns die Sicht nach unten von Wolken versperrt ist, sehen wir unter uns gleissende Schneeberge, braune Berge, vereinzelte D\u00f6rfer und Strassen mit vielen Serpentinen, die hinauf zu den D\u00f6rfern f\u00fchren.<br \/>\nSchon bald erreichen wir Cusco. Tief unter uns liegt eine Piste. Die Vorstellung, da unten landen zu m\u00fcssen, ist Horror. Doch das Flugzeug zieht noch eine Schlaufe um einen Berg und landet nach einem spektakul\u00e4ren Landeanflug sanft auf dem Flugplatz.<br \/>\nWir sind auf 3400 m angekommen. Ob man das sp\u00fcrt? Als wir aussteigen, sp\u00fcren die einen und andern leichte Schwindel, so als ob wir gerade erst aus einem Boot auf aufgew\u00fchltem See entstiegen w\u00e4ren.<br \/>\nIm Hotel ist Entspannung angesagt, nichts tun, den K\u00f6rper an die Umstellung gew\u00f6hnen.<br \/>\nSp\u00e4ter gehen wir zusammen zu einem kurzen Spaziergang auf den nahen Hauptplatz mit der Kathedrale. Irgendwie sp\u00fcren alle die H\u00f6he. Sie zeigt sich mit Schwindel, \u00dcbelkeit oder Kopfweh. Jemand von uns hat sogar etwas Fieber und auch die Verdauung schl\u00e4gt Purzelb\u00e4ume.<br \/>\nDaher kehren wir zu einem leichten Nachtessen ein. Ich versuche eine Suppe mit Quinoa, einem Getreide, das inzwischen auch bei uns bekannt ist, aber urspr\u00fcnglich aus Peru stammt. Auf Alkohol verzichten wir alle, aber viel trinken ist angesagt. In der Hotellobby gibt es Cocatee. Davon bedienen wir uns, bevor wir fr\u00fch in unsere Zimmern verschwinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>8. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Ein k\u00fchler Morgen erwartet uns. Man sp\u00fcrt die H\u00f6he. Wir sind warm angezogen mit Langarmpullovern und Windjacken. Die meisten haben gut geschlafen. Wenn auch die einen oder anderen noch Kopfweh plagt oder Magenprobleme haben, f\u00fchlen sich alle fit genug f\u00fcr den Ausflug in die Umgebung von Cusco. Cesar erwartet uns mit dem Bus vor dem Hotel, und wir fahren hinauf nach Saqsaywaman, der grossen Ritualanlage der Inkas.<br \/>\nZuerst besuchen wir Tambomachay, die heilige Quelle. Hier erreichen wir unseren ersten H\u00f6henrekord: 3765 m.\u00fc.M. Auf dieser H\u00f6he sp\u00fcren alle die Anstrengung. Es braucht gar nicht viel, und auch gut trainierte Wanderer k\u00e4mpfen mit dem Atem. Wir sind fr\u00fch unterwegs. Die Verk\u00e4uferinnen, die hier ihre Handarbeiten verkaufen, sind erst dabei, ihre Waren auszupacken. Wir sind die ersten auf der St\u00e4tte und k\u00f6nnen uns in Ruhe umsehen. Doch schon bald st\u00fcrmt eine Schulklasse auf das Gel\u00e4nde. Wir k\u00f6nnen nur staunen, wie die Kinder in ihren roten Schuluniformen die H\u00e4nge hoch rennen, w\u00e4hrend wir uns jeden Schritt \u00fcberlegen.<br \/>\nDas Interessante an den Quellen von Tambomachay ist die Tatsache, dass das Wasser das ganze Jahr regelm\u00e4ssig mit gleicher Menge aus der Erde kommt, egal ob gerade Regenzeit oder Trockenheit herrscht.<br \/>\nUnsere n\u00e4chste Station ist der Monolith von Kenko. Im Inneren dieses riesigen Steines gibt es eine Art Altar. Hier wurden die Inkas mumifiziert, um bei allen Festen in Prozessionen mitgetragen zu werden.<br \/>\nEtwas weiter unten liegt die riesige Anlage von Saqsaywaman. Die Spanier vermuteten eine Festung und versuchten alles, die riesige Anlage zu zerst\u00f6ren. Heute stehen nur noch rund 20 % der urspr\u00fcnglichen Mauern, aber auch diese sind noch immer sehr eindr\u00fccklich. Man fragt sich vor allem, wie die riesigen Kolosse an die Stelle transportiert wurden, denn man weiss heute, dass die Steinbr\u00fcche, von denen das Material stammt, in \u00fcber 20 km Entfernung liegen. Es m\u00fcssen Tausende von Arbeitern beteiligt gewesen sein, und der Bau hat Jahre gedauert. Ren\u00e9 erkl\u00e4rt, dass der gr\u00f6sste Monolith mehr wiegt, als das ganze Flugzeug, das uns gestern nach Cusco gebracht hat. Unsere F\u00fchrerin Gioana erz\u00e4hlt von den Riten und Festen, die man fr\u00fcher an dieser Stelle abgehalten hat. \u00dcber einen Felsen, der wie eine Rutschahn geformt ist, rutschen derweil die Schulkinder und am\u00fcsieren sich k\u00f6niglich.<br \/>\nVon hier gibt es auch eine wunderbare Aussicht auf Cusco und die Plaza des Armas mit der Kathedrale.<br \/>\nInzwischen ist es w\u00e4rmer geworden, die Jacken sind in den Rucks\u00e4cken verschwunden, und wir holen die Sonnencreme heraus. Cesar ist mit dem Bus losgefahren, und wir steigen zu Fuss hinunter in die Stadt. Durch schmale G\u00e4sschen geht es abw\u00e4rts. Wir kommen durch das K\u00fcnstlerviertel und erreichen einen kleinen Handarbeitermarkt, wo unsere Frauen ihrer Lieblingsbesch\u00e4ftigung nachgehen k\u00f6nnen: EINKAUFEN.<br \/>\nGioana f\u00fchrt uns zum ber\u00fchmtesten Stein von Cusco. 12 Ecken weist er auf und passt genau in die Mauer. Faszinierend, diese alten Mauern, bei denen all die schweren Steine nahtlos ineinander passen, ohne dass auch nur ein bisschen M\u00f6rtel die Verbindung sichert.<br \/>\nUnser n\u00e4chstes Ziel ist die Coricancha, der Sonnentempel, Sitz des Inkas. Hier haben die Spanier nach der Eroberung des Inkareiches eine Kirche mit Kloster erbaut. Gioana zeigt uns die alten Mauern, den Klosterinnenhof und die Gem\u00e4ldesammlung. Und dann m\u00f6gen wir pl\u00f6tzlich keine englischen Erkl\u00e4rungen mehr h\u00f6ren, der Hunger regt sich. Zum Gl\u00fcck ist hier der offizielle Teil zu Ende. Unser Hotel liegt gleich in der N\u00e4he. Die einen und anderen Mitglieder unserer Gruppe legen sich etwas hin.<br \/>\nMargrit und ich unternehmen beim Eindunkeln noch einen l\u00e4ngeren Spaziergang und besuchen das Pachacutec-Monument am Stadteingang. Der Turm ist offen und von oben geniessen wir einen herrlichen Rundblick auf die Stadt, in der immer mehr Lichter angehen.<br \/>\nAnschliessend geniessen wir eine typisch peruanische Speise in einem Einheimischenrestaurant (Saltado die lomo). Die anderen geniessen den programmfreien Abend ebenfalls und erz\u00e4hlen am n\u00e4chsten Morgen von ihren spannenden Erlebnissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>9. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Heute fahren wir noch einmal in die H\u00f6he, auf die Hochebene von Cinchero. Bereits im ersten Laden mache ich begeistert eine neue Anschaffung: einen M\u00fctzenschal. Der sieht aus wie ein gew\u00f6hnlicher Schal, kann aber bei Bedarf als M\u00fctze mit integriertem Schal getragen werden.<br \/>\nGioana zeigt uns die Torritos, die in dieser Gegend oft auf den H\u00e4usern stehen. Sie d\u00fcrfen nicht gekauft, sondern m\u00fcssen von einem Freund bei der Einweihung des Hauses geschenkt werden. Sie stehen f\u00fcr die Dualit\u00e4t und sollen Gl\u00fcck und Segen \u00fcber das ganze Haus und seine Bewohner bringen.<br \/>\nBevor wir in das Dorf kommen, sehen wir uns die Terrassen an, die schon die Inkas angelegt hatten. Auf den verschiedenen H\u00f6hen konnten verschiedene Gem\u00fcse angebaut werden. \u00dcberall findet man solche Terrassen, aber hier sind sie besonders sch\u00f6n. Dann besuchen wir die Kirche, die auf die Fundamente eines Inkatempels gebaut wurde. \u00dcber dem Eingang erz\u00e4hlen Bilder aus dem Leben Jesu, da die Spanier ihren neuen Glauben \u00fcbermitteln wollten und die Bev\u00f6lkerung noch nicht lesen konnte. Das Innere der Kirche ist mit Blumen reich geschm\u00fcckt, in einer Stunde soll hier eine Hochzeit stattfinden.<br \/>\nIn einem Laden erhalten wir eine Demonstration, wie die Eiheimischen aus Wolle T\u00fccher werden. Aus einer Wurzel wird eine Art Seifenlauge gemacht, in der die Schurwolle gewaschen wird. Dann wird sie zweimal gesponnen. &#8222;Spinnen k\u00f6nnen wir Frauen immer&#8220;, meint Marisa, die die Vorf\u00fchrung leitet, mit einem Augenzwinkern. &#8222;Ganz egal, ob wir Kinder beaufsichtigen oder unseren Mann k\u00fcssen.&#8220;<br \/>\nDanach wird die Wolle gef\u00e4rbt. Dazu werden verschiedene Pflanzen und Bl\u00e4tter benutzt. Die Zweige werden mit Wasser aufgekocht und die Wolle hineingetaucht. Je nach L\u00e4nge des F\u00e4rbvorgangs und mit Hilfe von Zitrone werden Tonnuancen erzielt. Interessant ist die Herstellung der roten Farbe. Auf Feigenkakteen werden weisse L\u00e4use gez\u00fcchtet. Wenn man sie zerreibt, entsteht ein roter Farbstoff, aus dem zum Beispiel Lippenstift hergestellt wird. Marisa tr\u00e4gt ihn sich gleich auf und verspricht, dass er 1000 K\u00fcsse lang h\u00e4lt.<br \/>\nNach dem F\u00e4rben kommt das Weben. Marisa erkl\u00e4rt die verschiedenen alt \u00fcberlieferten Symbole: Kondor f\u00fcr die Luft, Puma f\u00fcr die Erde und die Schlange f\u00fcr die Unterwelt. Diese Symbole kommen immer wieder vor.<br \/>\nNach dieser interessanten und witzigen Demonstration besuchen wir den Markt, der hier jeden Sonntag stattfindet. Nat\u00fcrlich finden alle etwas Sch\u00f6nes zum Heimbringen. Es gibt ja so viel.<br \/>\nAuf der Weiterfahrt machen wir einen kurzen Halt, um die Produktion der Adobe-Ziegelsteine zu sehen. Sie werden aus Lehm zusammen mit Heu geformt und in der Sonne getrocknet.<br \/>\nUnsere Fahrt geht weiter \u00fcber staubige Nebenstrassen durch reife Getreidefelder. Einmal sehen wir einen Pflug, der von zwei Ochsen gezogen wird. Wir sehen Bauern, die auf den Feldern arbeiten oder gerade dabei sind, das Mittagessen zu kochen. Weit hinten erkennen wir Schneeberge, und vom Himmel erstrahlt die Sonne. Wir sind noch immer auf 3700 m H\u00f6he.<br \/>\nIn Moray ist unser n\u00e4chster Halt. Hier gibt es drei tiefe Krater in der Landschaft. Wie sie entstanden sind, ist nicht klar, aber sie wurden schon zu Inkazeiten terrassiert, und man nimmt an, dass hier geforscht wurde, welche Bedingungen f\u00fcr die Gem\u00fcsekulturen am besten geeignet sind. Sie strahlen eine unglaubliche Ruhe aus. Wir k\u00f6nnen beobachten, wie weit unten auf dem Grund eines Kraters eine Gruppe im Kreis eine Meditation durchf\u00fchrt.<br \/>\nWeiter geht die Fahrt, die staubigen Strassen scheinen kein Ende zu haben. Die Salzbecken von Maras sind unser n\u00e4chstes Ziel. Wie ein Wespennest kleben sie an einem Talhang. Das Wasser, das hier aus dem Berg quillt, hat einen Salzgehalt von 30% und wird in die Becken geleitet. An der Sonne verdampft es, zur\u00fcck bleibt das Salz, das von den Besitzerfamilien gewonnen wird.<br \/>\nIm kleinen Restaurant gibt es ein einfaches Mittagessen aus Quinoa-Suppe und riesigen Sandwiches. Frisch gest\u00e4rkt fahren wir weiter nach Ollantaytambo.<br \/>\nUns bleibt noch eine knappe Stunde, bis der Zug f\u00e4hrt, und die vertreiben wir uns in den bunten L\u00e4den rund um den Hauptplatz und in den engen Gassen, die noch aus der Inkazeit stammen. Spannend ist es, dem Verkehr zuzusehen. Riesige Lastwagen machen sich den Platz streitig mit den vielen Touristenbussen und den wenigen Privatfahrzeugen. Zum Gl\u00fcck ist Cesar ein guter Chauffeur, so dass er uns p\u00fcnktlich zur Bahnstation bringt. Wir steigen in den Zug, der uns entlang des Urubamba nach Aguas Calientes bringt.<br \/>\nZum Nachtessen gehen wir in den Indio Feliz, wo uns wirklich exzellente Speisen serviert werden. Nachtruhe ist zeitig, wir wollen morgen fr\u00fch starten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>10. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Fr\u00fch sind wir unterwegs. Ab Viertel vor f\u00fcnf gibt es Fr\u00fchst\u00fcck, wir starten um sechs Uhr. Es scheint nicht so viele Leute zu haben, wir k\u00f6nnen mit dem n\u00e4chsten Bus fahren. Die Busse fahren alle paar Minuten, sobald alle Sitzpl\u00e4tze besetzt sind.<br \/>\nEs geht eine schmale Serpentinenstrasse mit engen Kurven hinauf. Immer wieder kommt uns ein Bus entgegen, und der Chauffeur muss anhalten, ausweichen, manchmal zur\u00fccksetzen. Zum Gl\u00fcck kennen die Chauffeure die Strecke. Vor dem Eingang begr\u00fcsst uns Diana, sie wird uns durch die Anlage f\u00fchren. Die F\u00fchrung wird englisch durchgef\u00fchrt. Zuerst geht es bergauf zum klassischen Aussichtspunkt. Diana gibt einen \u00dcberblick \u00fcber die Anlage.<br \/>\nNoch schickt die Sonne erst wenige Strahlen an den Spitzen der Berge vorbei, beleuchtet ganz sanft den Gipfel des Wayna Picchu, um ein paar Minuten sp\u00e4ter mit aller Macht \u00fcber den Berg zu steigen. Blendend zeichnet sie scharfe Schatten, und wir \u00f6ffnen die Reissverschl\u00fcsse unserer Windjacken. Diana f\u00fchrt uns von Punkt zu Punkt, erkl\u00e4rt interessante Details, doch manchmal ist es schwierig, den englischen Erkl\u00e4rungen zu folgen. Zum Gl\u00fcck mischt sich Ren\u00e9 ein und fasst die wichtigsten Aussagen zusammen.<br \/>\nDiana zeigt uns, wie sich Kl\u00e4nge durch die dicken Mauern verteilen und auf der anderen Seite des Raumes verst\u00e4rkt wieder ert\u00f6nen, wie Wasser durch Rinnen geleitet wird und wie sich der Schall \u00fcber den zentralen Platz verst\u00e4rkt. Ausserdem erz\u00e4hlt sie, dass sich in der Mitte von Machu Picchu ein Riss befindet, der sich in den letzten Jahren verbreitert hat. Man vermutet, dass die Anlage ab 2020 geschlossen werden wird, um die Spaltung aufzuhalten. Zur Demonstration wurde \u00fcber den ganzen Platz ein Seil geh\u00e4ngt, an dem die Wissenschaftler die Verbreiterung erkennen k\u00f6nnen.<br \/>\nNach knapp zwei Stunden ist die offizielle F\u00fchrung abgeschlossen, Diana verabschiedet sich, und wir k\u00f6nnen das Gel\u00e4nde auf eigene Faust erkunden. Ein paar von uns wollen den Wayna Picchu erklimmen, andere zum Sonnentor wandern.<br \/>\nReiseleiter Ren\u00e9 macht uns auf die Schwierigkeiten dieses Unternehmens aufmerksam. Zuerst heisst es anstehen, da jeder \u201eWagemutige\u201c mit dem Eintrittsticket, mit Pass und der Unterschrift best\u00e4tigen muss, dass er bereit ist, diese Bergtour zu bestehen. So begeben wir uns nach den Formalit\u00e4ten in gr\u00f6sseren und kleineren Gr\u00fcppchen, teilweise mit Herzklopfen, auf den Pfad.<br \/>\nGanz einfach ist es nicht f\u00fcr alle, m\u00fcssen doch hohe Treppenstufen, enge Passagen entlang an steilen Felsen und ungesicherte Stellen \u00fcberwunden werden. Fast oben angelangt, ist ein Tunnel auf allen Vieren zu durchkriechen. Der letzte Knackpunkt ist eine kurze Holzleiter.<br \/>\nUnd dann hat man den Gipfel erreicht! Zwar sind da noch viele andere Besteiger, aber wenn man sich ein Pl\u00e4tzchen ergattert hat, wird man mit einer sensationellen Aussicht belohnt. Restlos alle zehn Bergsteiger unsere Gruppe schaffen es, aber nicht alle in einer halben Stunde wie Reiseleiter Ren\u00e9. Die Begeisterung ob der fantastischen Aussicht ist gross, und wir geniessen sie, bis ein Aufseher zum Abstieg aufruft.<br \/>\nKnapp unterhalb des Gipfels kommt ein Gruppenfoto zustande, allerdings ohne K\u00f6bi, weil der genau zu diesem Zeitpunkt aus der Schweiz angerufen wird und deshalb mit seinem Handy besch\u00e4ftigt ist. Der Abstieg gestaltet sich auch nicht f\u00fcr alle ganz problemlos, da die Treppenstufen unterdessen nicht niedriger und die steilen Passagen nicht flacher wurden. Aber wir k\u00f6nnen uns am Fusse des Wayna Picchu gratulieren, und sogar K\u00fcsschen werden verteilt.<br \/>\nGegen Mittag gehen alle zur\u00fcck zum Eingang, wo zur vereinbarten Zeit, um halb zwei, die ganze Gruppe wieder eintrifft. Alle haben ihre Ziele erreicht, alle hatten wunderbare Erlebnisse.<br \/>\nDer Bus bringt uns wieder hinunter nach Aguas Calientes. Dass es jetzt ganz sanft anf\u00e4ngt zu tr\u00f6pfeln, kann unsere Euphorie nicht mehr tr\u00fcben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>11. Reisetag<\/strong><br \/>\nHeute pr\u00e4sentiert sich der Himmel nicht mehr so strahlend wie gestern, aber das ist nicht weiter schlimm, wir fahren zur\u00fcck nach Cusco. Unser Zug, ein einziger Wagen, &nbsp;erwartet uns schon im Bahnhof. Die Crew bedient uns aufmerksam mit Getr\u00e4nken und Zwischenverpflegung, und bald erreichen wir den Bahnhof von Ollantaytambo, wo wir von Gioana und Cesar mit dem Bus erwartet werden.<br \/>\nGioana l\u00e4dt uns ein, eine typische Familie zu besuchen, die noch wie zu Inkazeiten wohnt. Einzig, dass sie im Hof Souvenirs verkaufen, stammt aus neuerer Zeit. In der dunklen Rauchk\u00fcche werden Minipigs resp. Cuys (Meerschweinchen) gez\u00fcchtet. Sie kommen an Festtagen oder Geburtstagen auf den Tisch. Vor allem in den l\u00e4ndlichen Gegenden sind sie eine beliebte Delikatesse. Mit einem grossen Messer sch\u00e4lt die Hausfrau Kartoffeln, und um ihre F\u00fcsse quietschen die kleinen Viecher und st\u00fcrzen sich mit grossem Appetit auf die \u00dcberreste.<br \/>\nUm den Kontakt mit den Verstorbenen nicht zu verlieren, zieren Totenk\u00f6pfe eine Nische in der Wand, und von der Decke h\u00e4ngen Maiskolben und getrocknetes Fleisch. Eine beklemmende Idee, wenn die Grosseltern aus hohlen Augen auf einen herunterschauen.<br \/>\nOllantaytambo wurde als Zwischenstation mit Landwirtschaftseinrichtungen gegr\u00fcndet. Tambo bedeutet &#8222;ein Ort zum Verweilen&#8220;. Hierher kam der Inka mit seiner ganzen Entourage auf dem Weg von Cusco nach Machu Picchu und wurde verpflegt und untergebracht. Heute kommen die Touristen hierher, um die gewaltige Inkaanlage zu besichtigen.<br \/>\n&#8222;Was schon wieder in die H\u00f6he&#8220;, h\u00f6re ich jemanden seufzen, aber nachdem heute niemand wegen Muskelkater klagt, erklimmen wir die Terrassen mit Leichtigkeit. Ganz oben, wo die fein geschliffenen grossen Feldbl\u00f6cke liegen, sollte der Sonnentempel gebaut werden. Er wurde nie fertiggestellt. Dass die grossen Platten und Bl\u00f6cke aus dem Steinbruch von der gegen\u00fcberliegenden Talseite stammen, ist schlichtweg unvorstellbar, und es gibt noch heute keine Erkl\u00e4rungen, wie das die Inkas ganz ohne Maschinen mit reiner Manneskraft geschafft haben.<br \/>\nEs ist Mittagszeit. Darum schwenken wir in Urubamba in die Hazienda Alhambra ein. Wir sind ganz begeistert von der sch\u00f6nen Anlage. Im Garten bet\u00e4tigen sich Alpacas und Lamas als Rasenm\u00e4her, ganz hinten gibt es sogar ein paar Vicunas und unter schattigen B\u00e4umen, wohnen ein paar Papageien. Unter den Arkaden ist ein vielf\u00e4ltiges Buffet aufgebaut, so dass kulinarisch alle auf ihre Kosten kommen.<br \/>\nNach dem gem\u00fctlichen Halt verlassen wir das heilige Tal und kehren zur\u00fcck nach Cusco. An den H\u00e4ngen kommen wir an einer Siedlung vorbei, die wir vorgestern schon passierten. Viele arme Familien hatten hier ihre provisorischen H\u00fctten aufgebaut in der Hoffnung, das Gel\u00e4nde mit der Zeit in legalen Besitz nehmen zu k\u00f6nnen. Wie Gioana weiss, kam es gestern hier zu Ausschreitungen, Steine wurden geworfen und heute sind die meisten H\u00fctten zerst\u00f6rt, die Landbesetzer hocken am Strassenrand.<br \/>\nAm sp\u00e4teren Nachmittag kommen wir in Cusco an. Fast ist es wie ein Heimkommen, zur\u00fcck ins Hotel, in dem wir schon zwei N\u00e4chte waren. Der Rest des Tages steht zur freien Verf\u00fcgung. Wir gehen noch etwas in die Stadt und gucken uns ein seltsames Schauspiel auf der Plaza de Armas an, wo sich viele Leute versammelt haben. Vor der Kathedrale findet die Auff\u00fchrung eines religi\u00f6sen Spiels mit viel Musik, Gesang, Tanz und dramatischen Szenen statt. Da wir aber kein Spanisch verstehen, k\u00f6nnen wir nur erahnen, welche Bedeutung die gespielten Szenen haben. Schuld und S\u00fchne scheinen hier eine wichtige Rolle zu spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>12. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Elf Stunden Busfahrt sind heute angesagt. Das k\u00f6nnte leicht zu einem \u00e4usserst langweiligen Tag ausarten. Doch das Gegenteil ist der Fall. Abfahrt nach dem Fr\u00fchst\u00fcck in Cusco ist um sieben Uhr. Ein grosser bequemer Bus mit 20 Pl\u00e4tzen steht vor dem Hotel.<br \/>\nDer erste Halt ist bei der alten Kirche von Andahuaylillas. Man nennt sie auch die sixtinische Kapelle von S\u00fcdamerika, denn ihr Inneres ist komplett mit Bildern bedeckt. Die drei Alt\u00e4re sind ausserdem mit viel Gold geschm\u00fcckt und auch die Decke ist reich bemalt. Auf dem Altar stehen frische Callas. Die Kirche ist neu renoviert, ein paar Ger\u00fcste sind noch aufgestellt. Leider darf man nicht fotografieren, immer steht irgendwo eine Aufseherin hinter einer S\u00e4ule und passt auf.&nbsp;Nachdem wir noch einen Moment die Souvenirs studiert haben, die vor der Kirche angeboten werden, fahren wir weiter.<br \/>\nDer n\u00e4chste Halt ist in Raqchi. Hier hatten die Inkas ein Vorratslager gebaut. Es gibt H\u00e4user f\u00fcr die Administration und ein paar Wohnh\u00e4user. Und hinter einer Mauer stehen 160 Vorratsspeicher. Dank den dicken Mauern und kleinen Fenstern konnten hier riesige Mengen Vorr\u00e4te k\u00fchl und luftig gelagert werden. In den Ruinen sind ein paar alte Frauen. F\u00fcr ein paar Soles lassen sie sich fotografieren.<br \/>\nAuf dem Marktplatz vor der Kirche bieten die Leute ihre Handarbeiten an. Hier fallen vor allem die verschiedenen H\u00fcte der Frauen auf. Der typische Hut des Dorfes ist ein flacher, schwarz-roter Hut, der an Chinesenh\u00fcte erinnert.<br \/>\nWeiter geht die Fahrt durch das weite Tal. Bei einem neuen modernen Geb\u00e4ude halten wir an. Hier gibt es Mittagessen. Wir sind ziemlich fr\u00fch, noch sind keine anderen Touristen unterwegs. Die Strecke Cusco-Puno wird in beide Richtungen von kleineren und gr\u00f6sseren Busbetrieben regelm\u00e4ssig befahren. Mittagessen ist f\u00fcr beide Richtungen ungef\u00e4hr da, wo wir jetzt sind, so dass sich hier ein paar Mittagsbuffet-Restaurants etabliert haben. Im Moment sind wir die einzigen G\u00e4ste und st\u00fcrmen daher das Buffet.<br \/>\nKaum merklich steigt das Gel\u00e4nde an. Nach dem fruchtbaren Tal geht es in die Berge und kurz nach der Mittagessen erreichen wir den vorl\u00e4ufig h\u00f6chsten Punkt unserer Reise: La Raya mit 4335 m.\u00fc.M. Es ist k\u00fchl und die Luft d\u00fcnn. Hier macht auch der Zug von PeruRail einen Halt. Die Z\u00fcge fahren in Cusco und Puno am Morgen los und treffen sich hier in der Mitte der Strecke. Vor einer halben Stunde hatten wir den Zug von Cusco \u00fcberholt und ihn etwas weiter vorne mit gez\u00fcckten Kameras erwartet. Mit einer H\u00f6chstg\u00adeschwindigkeit von 50 km\/h zuckelt er durch die Gegend.<br \/>\nWir haben jetzt den Altiplano erreicht, die Hochebene von Peru. Noch geht es etwas hinunter, aber wir bleiben in einer H\u00f6he von fast 4000 m.<br \/>\nIn Pukara gibt es einen n\u00e4chsten Halt. Hier werden die Torritos hergestellt, die wir schon \u00fcberall auf den H\u00e4usern gesehen haben. Auch neben der Kirche stehen ein paar auf S\u00e4ulen. Die Kirche ist dunkel und im Gegensatz zu der Kirche von Andahuaylillas fast schmucklos.<br \/>\nWir fahren weiter. Die Gegend hat sich ver\u00e4ndert. Fuhren wir vor La Raya noch durch ein fruchtbares Tal, sind wir hier auf dem kargen Altiplano, dem Andenhochland. Hier gibt es nur noch trockenes Weideland. Wir sehen grosse Schaf- und Alpakaherden und manchmal K\u00fche, einfache Bauernh\u00f6fe und kleine D\u00f6rfer.<br \/>\nUnd dann erreichen wir den Titicacasee. Wir m\u00fcssen uns noch ein wenig durch den Verkehr von Puno k\u00e4mpfen, aber um punkt sechs Uhr erreichen wir das Hotel. Weil der Himmel in den letzten Stunden bedeckt war, gibt es keinen Sonnenuntergang, und es ist ziemlich k\u00fchl.<br \/>\nWir beziehen unsere grossen Zimmer mit den breiten und bequemen Betten. Nach Ausgang ist niemand mehr zumute, daher machen wir es uns gem\u00fctlich vor dem Kamin in der Bar, wo es Tapas mit Wein gibt.<br \/>\nEs war eine lange aber abwechslungsreiche Fahrt von Puno nach Cusco. Wir sind auf 3800 m, dem h\u00f6chsten Punkt unserer Reise, an dem wir \u00fcbernachten.<br \/>\nGegen acht Uhr sitzen wir gem\u00fctlich beim Wein. Da h\u00f6ren wir draussen einen Pfiff. Der Zug ist soeben auch in Puno eingetroffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>13. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Direkt vor unserem Hotel liegt schimmernd der Titicacasee. Er ist fast 8300 Quadratkilometer gross und der h\u00f6chste kommerziell schiffbare See der Welt.<br \/>\nWir sind auf 3800 m, und hier sp\u00fcrt man jede Anstrengung. Das Restaurant liegt zwei Treppen tiefer. Den Aufstieg nehmen wir vorsichtig unter die F\u00fcsse. Zuerst st\u00e4rken wir uns aber am umfangreichen Fr\u00fchst\u00fccksbuffet.<br \/>\nUm halb neun holt uns Rene ab. Rene ist ein Uro und arbeitet als Touristenf\u00fchrer. Er ist mit dem grossen Binsenboot gekommen. Drei Uros rudern und steuern das Boot hinaus auf den See, aber nat\u00fcrlich wollen auch wir wissen, wie sich das anf\u00fchlt und so \u00fcbernehmen schon bald K\u00f6bi und Oski die Ruder. Angefeuert von den anderen Reisegruppenmitgliedern steuern sie uns durch die Binsen. &#8222;Mehr rechts! Nein, mehr links! Jetzt! Gib mehr Kraft! Halte dich zur\u00fcck!&#8220; Die Anweisungen sind manchmal etwas verwirrend, so dass die beiden nach einer Viertelstunde das Ruder der n\u00e4chsten Crew \u00fcbergeben.<br \/>\nInzwischen schickt die Sonne ein paar Strahlen \u00fcber den See, aber es bleibt k\u00fchl heute.<br \/>\nNach einer guten Stunde erkennen wir in der Ferne die H\u00fctten der Uros. Sie wohnen hier draussen im See auf ihren Binseninseln. Alles ist aus Binsen: Boote, Inseln, H\u00e4user. Ja, man kann sie auch essen und sie helfen bei Fieber. Rene erkl\u00e4rt uns die verschiedenen Anwendungen.<br \/>\nBald schon legen wir an. Die Frauen begr\u00fcssen uns fr\u00f6hlich und laden uns ein, ihre Welt zu besuchen. Rene zeigt uns, wie die Inseln aufgebaut sind. Binsenwurzeln, die sich bei Hochwasserstand vom Boden l\u00f6sen, werden zusammen gebunden und mit Binsen belegt. Die Inseln m\u00fcssen immer wieder ausgebessert und mit neuen Binsen repariert werden. Die Uros leben schon seit Jahrhunderten auf dem See, haben ihr Leben an die schwierigen Umst\u00e4nde angepasst.<br \/>\nNach den Erkl\u00e4rungen zeigen die Frauen ihre Handarbeiten und kleiden uns gleichzeitig ein. Schon bald gibt es ein paar Uros mehr. Kleider machen Leute!<br \/>\nDie Uros sind sehr offen und fr\u00f6hlich. Pl\u00f6tzlich kommt Wind auf. Unser Schiff wird fast fortgetrieben. Im letzten Moment k\u00f6nnen es die M\u00e4nner wieder festbinden. Allerdings entscheiden sie, dass der Wind zu stark ist, darum fahren wir mit drei kleinen Motorbooten weiter.<br \/>\nNun steht ein Schulbesuch auf dem Programm. Verteilt auf die drei Motorboote, die von Uros gelenkt werden, gelangen wir zu einer schwimmenden Insel, auf der zwei Schulh\u00e4uschen mit je einem Klassenzimmer stehen.<br \/>\nKaum haben unsere Boote angelegt, st\u00fcrmen bereits mehrere Sch\u00fcler im Alter von sechs bis ca. elf Jahren aus einem der Geb\u00e4ude und begr\u00fcssen uns mit hellem Gel\u00e4chter und freudigem Geplapper. Schnell versammeln sich rund vierzig fr\u00f6hliche Kinder in ihren schmucken Schuluniformen unter Anleitung ihrer zwei Lehrpersonen im vorderen Teil eines der Schulzimmer, w\u00e4hrend uns Sitzpl\u00e4tze im anderen Teil des Raumes angeboten werden.<br \/>\nNach einer kurzen Begr\u00fcssung durch eine Lehrerin singen die aufgeregten Kinder ein paar Lieder in verschiedenen Sprachen. Darauf singen wir alle zusammen den Kindern das Lied &#8222;<i>Es Bureb\u00fcebli man i ned<\/i>&#8220; vor und schunkeln beim Refrain, was die Kinder offenbar sehr lustig finden. Jedenfalls versuchen sie ebenfalls begeistert mitzumachen beim <i>&#8222;&#8230; noch vore, noch hinde, noch r\u00e4chts&#8230;&#8220;.<br \/>\n<\/i>Zuletzt muss ich zwei interessierten M\u00e4dchen den Text in eines ihrer Hefte schreiben und das Lied nochmals vorsingen. Ich bin gespannt, ob die Kinder das &#8222;Bureb\u00fcebli&#8220; in ihr Repertoire aufnehmen und k\u00fcnftigen Besuchern vorsingen werden.<br \/>\nGerne werfen wir vor der Weiterfahrt noch einige M\u00fcnzen und Noten in die bereitstehende Sammelbox. Aber vor dem endg\u00fcltigen Abschied lassen sich einige der Kinder noch gerne von uns etwas herumwirbeln und freuen sich \u00fcber diese Abwechslung vom Schulalltag, der sich von dem unserer Schweizer Kinder doch wesentlich unterscheidet. Nur schon der Standard der Schulzimmerausstattung l\u00e4sst erahnen, wie gross der Unterschied der Unterrichtsgestaltung im Vergleich zu unseren Schulen ist.<br \/>\nWir aber verabschieden uns von den Kindern mit zwiesp\u00e4ltigen Gef\u00fchlen und hoffen, dass alle diese Kinder trotz materieller Benachteiligung gl\u00fcckliche Erwachsene werden k\u00f6nnen.<br \/>\nAuf einer gr\u00f6sseren Insel gibt es ein Restaurant. Hier erwartet man uns. Es gibt eine feine Quinoa-Suppe und eine gebratene Forelle mit Reis, Kartoffeln und Gem\u00fcse. Wir sind froh, dass wir in einem Raum sitzen k\u00f6nnen, denn draussen ist es inzwischen empfindlich kalt geworden, so dass wir auch beim Essen die Jacken und M\u00fctzen aufbehalten.<br \/>\nIm Gegensatz zu uns sind viele Uros barfuss. Allerdings sieht man ihren Gesichtern die grossen Strapazen und schwierigen Lebensumst\u00e4nde an, denn viele Backen der jungen Leute weisen die typischen dunklen Flecken auf, die von der K\u00e4lte stammen. Auch bei den Kindern ist uns das schon aufgefallen.<br \/>\nNach dem Essen fahren wir mit den drei Motorbooten zur\u00fcck ins Hotel. Unter der warmen Dusche oder im heissen Bad, oder wenigstens vor dem offenen Feuer in der Bar oder dem Restaurant w\u00e4rmen wir uns wieder auf.<br \/>\nWir nutzen dann noch zu zweit die Gelegenheit, auf dem Steg draussen vor unserem Hotel die Wasserv\u00f6gel des Titicacasees zu beobachten. Wir sehen u.a. den Punaibis, das Teichhuhn, das Andenbl\u00e4sshuhn, die Punaente.<br \/>\nDas Nachtessen nehmen wir im Hotel ein und sitzen in der Hotelbar beim Cheminee noch gem\u00fctlich zusammen.<\/p>\n<p><strong>14. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Wir nehmen Abschied von unserem Hotel in Puno und vom Titicacasee. Heute Abend werden wir ein tiefer gelegenes Quartier beziehen, wir verlassen den Altiplano.<br \/>\nZuerst steuern wir die Grabt\u00fcrme von Sillustani an. Sie stehen auf einer Halbinsel am Umayo-See. Eine Kultur, die schon vor den Inkas hier bl\u00fchte. In den T\u00fcrmen bestatteten die hier wohnhaften Ureinwohner ihre Toten. Allerdings \u00fcbernahmen die Inkas diesen Brauch, denn ihre Taktik bei der Eroberung von Volksst\u00e4mmen war nicht die Unterdr\u00fcckung sondern die Integration. So stehen hier also auch neben den runden T\u00fcrmen aus groben Steinen, ein paar elegante Inkat\u00fcrme aus fein geschliffenem Stein. F\u00fcr uns ist die Besichtigung ein angenehmer Spaziergang. Zwar geht es wieder etwas aufw\u00e4rts, aber wir nehmen den Anstieg Schritt f\u00fcr Schritt. Wir sind immer noch auf 3800 m \u00fc.M., da sp\u00fcrt man jeden Schritt. Die Aussicht auf den blauen See entsch\u00e4digt uns f\u00fcr alle Strapazen.<br \/>\nNachdem wir auch hier die Souvenir-Verk\u00e4uferinnen ber\u00fccksichtigt haben, fahren wir weiter. Noch immer steigt das Gel\u00e4nde stetig an, und wir erreichen einen neuen H\u00f6hepunkt: 4400 m \u00fc.M. Beim Aussichtspunkt Alta Lagunillas halten wir an, geniessen die Aussicht hinunter auf eine wunderbar blaue Lagune. Als wir daran vorbei fuhren, entdeckten wir ein paar Flamingos, die einen Teil des Jahres hier in dieser kalten Gegend verbringen. Weit hinten gr\u00fcssen weisse Schneeberge. Die Vegetation besteht nur noch aus d\u00fcrren Grasb\u00fcscheln, niedrigen gr\u00fcnem Geb\u00fcsch und gelben oder gr\u00fcnen Flechten. Doch noch immer entdecken wir kleine Geh\u00f6fte: Alpakabauern.<br \/>\nAuf unserer Strecke begleitet uns schon seit Puno ein Schienenstrang. Es ist die Verbindung Puno &#8211; Arequipa, auf der nur G\u00fcterz\u00fcge fahren. Zudem begegnen uns viele schwer beladene Camions. Sie bringen Maschinen und Ger\u00e4te in die Minen, von denen es hier in den hohen Anden sehr viele gibt. Noch immer werden Gold, Silber und andere Bodensch\u00e4tze abgebaut. Weit in der Ferne gr\u00fcsst der Vulkan von Arequipa, der Misti. Er wird heute seinem Namen gerecht: der In-Weiss-Geh\u00fcllte. Nicht nur auf dem Vulkan liegt Schnee, die ganze Gegend ist frisch \u00fcberzuckert und bietet einen ungewohnten Anblick.<br \/>\nIrgendwo in dieser Wildnis, da wo sich die Strassen von Puno, Arequipo und Chivay kreuzen, steigt unsere lokale Guia zu: Ute. Sie lebt schon seit Jahren in Arequipa, ist mit einem Peruaner verheiratet und wird uns die n\u00e4chsten Tage begleiten. Ute best\u00e4tigt, dass es sehr selten ist, dass es in der Gegend hier schneit. Im Gegenteil, es gibt hier kaum Niederschl\u00e4ge.<br \/>\nKurz darauf erreichen wir den absolut h\u00f6chsten Punkt unserer Reise, 4910 m \u00fc.M. Es ist jetzt empfindlich kalt geworden, und wir sind froh um unsere Pullover und Jacken und um den Bus, der uns weiter f\u00fchrt. Die Verk\u00e4ufer, die hier oben ihre Handarbeiten anbieten, m\u00fcssen in der K\u00e4lte ausharren.<br \/>\nWir erreichen unser heutiges Ziel. Unter uns im Colca-Tal liegt Chivay, ein Ort mit 3000 Einwohnern, Ausgangspunkt f\u00fcr die Ausfl\u00fcge zum Cruz del Condor.<br \/>\nEs gibt hier im Tal einige Thermalquellen, und nat\u00fcrlich lassen wir uns die Gelegenheit zu einem warmen Bad nicht entgehen. So kommt es, dass wir schon bald im heissen Wasser planschen. Alle K\u00e4lte, die wir in den letzten Tagen bis in die Knochen sp\u00fcrten, wird dadurch verdr\u00e4ngt. Herrlich ist es, inmitten der Berge das warme Gef\u00fchl zu geniessen.<br \/>\nZum Nachtessen bleiben wir im Hotel, wo wir eine kurze Vorf\u00fchrung traditioneller T\u00e4nze erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>15. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Wieder einmal fr\u00fch aufstehen, fr\u00fchst\u00fccken und losfahren. Die Kondore warten nicht. Hoch oben \u00fcber dem Colca-Fluss fahren wir ins Colcatal. Die Aussicht ist fantastisch. Auf der anderen Talseite erstrecken sich Terrassen \u00fcber mehrere hundert Meter hoch. Ute erz\u00e4hlt uns von der Vergangenheit dieses fruchtbaren Tales. Schon die Inkas erkannten seinen Wert. Von den hohen Bergen fliessen viele B\u00e4che hinunter ins Tal. Durch ein ausgekl\u00fcgeltes System leiteten die Inkas das Wasser \u00fcber die Terrassen und erzielten dadurch eine weit h\u00f6here Effzienz als heutige moderne Spr\u00fchsysteme. Die Felder wurden den Familien zugeteilt, und zwar nicht waagrecht, sondern senkrecht, so dass jede Familie die verschiedensten Gem\u00fcse und Fr\u00fcchte auf allen H\u00f6henlagen anbauen konnte.<br \/>\nUte erz\u00e4hlt und erz\u00e4hlt unbeirrt, w\u00e4hrend wir immer mehr staunen \u00fcber die Strasse, auf der wir durch das Tal fahren. Die Strasse w\u00fcrde zurzeit saniert, erkl\u00e4rt sie uns, als wir in einer Sprechpause danach fragen. Weil viele Arbeiter nur eine Anstellung f\u00fcr die Dauer der Sanierung haben, eilt es ihnen nicht immer. Wir umfahren die Strasse auf einer provisorischen Umleitung, die aussieht, als ob sie nur f\u00fcr die Baumaschinen gedacht w\u00e4re. Sp\u00e4ter geht es einen Canyon hinunter und auf der anderen Seite wieder hoch. Da ist vor ein paar Monaten die Strasse eingest\u00fcrzt. Weil es am Morgen geregnet hat, ist die Piste zu allem \u00dcbel auch noch nass, so dass sich unser Bus richtig durchk\u00e4mpfen muss. Zweimal schert er hinten leicht aus, schlipft in dem schweren Terrain und wir merken wieder einmal, dass das Motto \u201eAbenteuer Peru\u201c richtig gew\u00e4hlt ist. Zum Gl\u00fcck kommt uns niemand entgegen, am Morgen fahren alle ins Tal hinein, gegen Mittag fahren die Touristenbusse in die andere Richtung. Es ist uns unverst\u00e4ndlich, dass \u00fcber diese provisorische Strasse t\u00e4glich Hunderte von Touristen geschleust werden d\u00fcrfen.<br \/>\nNach fast zwei Stunden kommen wir beim Kreuz des Kondors an. Erst ein Bus steht da, es sind nicht viele Touristen unterwegs. Wir suchen einen Platz mit guter Sicht, spazieren ein wenig entlang der Wege. Es ist kalt. Langsam trudeln mehr Leute ein, das Gel\u00e4nde f\u00fcllt sich doch ein wenig. Noch ist kein Kondor zu sehen. Und dann ist pl\u00f6tzlich einer in der Luft. Mit weit ausgebreiteten Schwingen schwebt er unter uns im Canyon. Es wird ganz still rundum, jeder hat ihn gesehen. Und dann folgt ein zweiter, ein dritter. Sie sind da. Noch fliegen sie tief, noch haben sie nicht die H\u00f6he erreicht. Elegant, ganz ohne Fl\u00fcgelschlag drehen sie ihre Runden vor uns. Und dann, alle sehen in die H\u00f6he, da oben \u00fcber uns schwebt einer. Schaut mit seinen scharfen Augen auf all die Touristen, dreht eine tiefe Runde. Es sieht aus, als ob er sich gleich auf uns st\u00fcrzen m\u00f6chte. Oder will er nur kontrollieren, ob genug Menschen da sind, ob es sich lohnt zu fliegen?<br \/>\nEr dreht ab, sinkt langsam und ist verschwunden. Auch die Leute rundum sind verstummt, fangen sich wieder. Wahrscheinlich hat kaum jemand auf den Knopf gedr\u00fcckt und ein Foto gemacht.<br \/>\nWeiter unten drehen die Kondore wieder ihre Kreise. Und da landet einer ganz in unserer N\u00e4he auf einem Fels, sieht sich um, und gleich ist ein zweiter bei ihm. An den kleinen K\u00e4mmen kann man erkennen, dass es zwei M\u00e4nnchen sind. Sie k\u00fcmmern sich nicht um ihre Zuschauer, begr\u00fcssen sich, fast k\u00f6nnte man meinen, sie balzen. Und wieder herrscht and\u00e4chtige Stille. Rundherum wird geknipst. Ein dritter Kondor landet auf dem gleichen Stein. Sie hocken zusammen, strecken die Schn\u00e4bel zusammen, scheinen etwas zu besprechen. Und dann sind sie weg, alle drei. Ein Aufatmen geht durch die Menschen, man wagt wieder zu sprechen, beobachtet noch eine Weile die grossen V\u00f6gel, die unter uns ihre Kreise ziehen, und dann ist pl\u00f6tzlich keiner mehr da. Das Schauspiel ist zu Ende.<br \/>\nWir treffen uns beim Bus, wo uns die n\u00e4chste \u00dcberraschung erwartet. Der Motor kann nicht gestartet werden, die Batterie ist leer. Es braucht etwas \u00dcberzeugungskraft von Ute, bis einer der anderen Chauffeure hilft. Die Batterie wird ausgebaut, mithilfe einer anderen startet der Bus und dann funktioniert es wieder.<br \/>\nDie R\u00fcckfahrt ist nicht mehr so schlimm wie die Hinfahrt. Unterdessen ist die Sonne hervorgekommen, die Strasse ist trocken. Wir halten irgendwo auf dem R\u00fcckweg an. selbstverst\u00e4ndlich bewundern wir die Aussicht hinunter ins Tal, doch Ute zeigt hinauf. Da oben in den Felsen gibt es Mumiengr\u00e4ber. Nachdem die Toten einige Jahre bei allen Zeremonien und Prozessionen mitgetragen wurden, fanden sie hier oben in den Felsen ihre letzte Ruhest\u00e4tte.<br \/>\nWir halten in Maca an. Hier gibt es vor allem die Kirche zu bewundern. Und auf dem Marktplatz steht ein Mann mit einem Habichtsadler. Er setzt ihn zuerst Beatrice, dann Margrit auf den Arm, dann stellt er sich auf ihre K\u00f6pfe, auf die der Mann vorerst einen Hut gesetzt hat und dann klettert er auf ihre H\u00e4nde. Sanft h\u00e4lt er sich fest. Seine Krallen sehen eindr\u00fccklich aus, doch er benutzt sie nur sehr sachte.<br \/>\nZum Mittagessen gibt es in Chivay ein Buffet. Etwas anderes wird in dieser kleinen Stadt nicht angeboten. Bevor wir weiter fahren, erkunden wir den kleinen Ort. Wir spazieren \u00fcber den Hauptplatz, finden die Markthalle und beobachten die Handwerker und Verk\u00e4ufer, die ihre Dienste und Waren anbieten.<br \/>\nDanach geht es zur\u00fcck in die H\u00f6he. Wieder passieren wir den Pass auf 4910 m \u00fc.M. und dann folgen wir der Strasse nach Arequipa. Unterwegs treffen wir auf einen LKW, der von der Strasse abgekommen ist. Wahrscheinlich war der Schnee schuld, der noch immer auf beiden Seiten der Strasse liegt.<br \/>\nGegen f\u00fcnf Uhr kommen wir in Arequipa an. Wir sind gut 1300 m abgestiegen. F\u00fchlen uns schon wieder pudelwohl, ja es ist sogar m\u00f6glich, ohne Probleme in den 5. Stock aufzusteigen, wenn der Lift gerade besetzt ist. Und dabei liegt Arequipa mit seinen 2300 m \u00fc.M. noch immer h\u00f6her als der Pilatus.<br \/>\nNach dem Zimmerbezug treffen wir uns zu einem kurzen Spaziergang zur Plaza des Armas, die zwei H\u00e4userblocks entfernt liegt. Wir bewundern die Kathedrale und k\u00f6nnen sogar hinein gehen, weil kurz vorher eine Messe zu Ende gegangen ist.<br \/>\nDer Abend ist frei, wir gehen zusammen mit einem Teil der Gruppe in ein nahes Restaurant essen.Wieder geht ein reich gef\u00fcllter Tag zu Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&nbsp;<strong>16. Reisetag<br \/>\n<\/strong><\/strong>Wir sind in der weissen Stadt Arequipa, die ihren Beinamen vom weissen Tuffstein hat, mit dem sie weitgehend gebaut wurde.<br \/>\nNach dem Fr\u00fchst\u00fcck trifft Ute ein. Sie f\u00fchrt uns auf den zentralen Markt. Dieser ist jeden Tag ge\u00f6ffnet, auch heute, obwohl Sonntag ist. M\u00e4rkte sind immer interessant. Farbenfroh sind die Fr\u00fcchtest\u00e4nde, und es gibt so manche Frucht, die wir nicht so genau kennen. Wir lassen uns eine Cherimoya aufschneiden, essen kleine s\u00fcsse Bananen und lassen uns von Ute den neu entdeckten S\u00fcssstoff Stevia erkl\u00e4ren. Hier in S\u00fcdamerika wird das Kraut schon lange verwendet, in Europa kommt es langsam in Tablettenform auf den Markt. Es ist sehr stark. Ein kleines S\u00e4cklein getrocknete Bl\u00e4tter ersetzt 30 kg Zucker. Unglaublich!&nbsp;Ein weiteres Mittel, das schon seit mehr als 2000 Jahren in den Anden angebaut wird, aber bei uns erst in letzter Zeit bekannt wird, ist Maca, eine Art Kresse. Es wird in Pulverform verkauft und eine Kur damit verspricht sch\u00f6nere Haut, starke Haare und N\u00e4gel und auch sonst noch allerlei Verbesserungen. Nat\u00fcrlich wollen wir Frauen uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und greifen freudig zu.<br \/>\nDer n\u00e4chste Stand ist dann eher etwas grausig. &#8222;Jugo de Rana&#8220; (Froschsaft) steht auf der Tafel. Dieser wird an Ort frisch hergestellt, aber auf die Bekanntgabe des Rezepts m\u00f6chte ich an dieser Stelle verzichten.<br \/>\nWir verlassen den Markt, kommen zur Jesuitenkirche, gebaut aus dem typischen weissen Vulkansandstein Sillar. Die Hauptfassade ist reich verziert mit Bildern und Geschichten, mit Blumen und Ornamenten. Man nennt diesen Stil Mestizen-Barock.<br \/>\nAls n\u00e4chstes schlendern wir \u00fcber die Plaza des Armas, sie ist voller Leute. Hier trifft man sich nach der Messe zum Schlendern, Plaudern, Tauben f\u00fcttern und Fotografiert Werden. Einzelne Personen und Gruppen stellen sich vor den grossen Brunnen und lassen sich von einem Freund oder einem der Fotografen, die hier \u00fcberall sind, ablichten.<br \/>\nInzwischen ist es Zeit f\u00fcr eine Erfrischung. Wir setzen uns auf die Terrasse in einem der kleinen Restaurants hinter der Kathedrale. Hier gibt es einen tollen Blick auf den Hausberg Arequipas, den Misti.<br \/>\nNach der Pause steht die Besichtigung des ber\u00fchmten Katharinenklosters auf dem Programm. Hier verbrachten die besseren Frauen, in der Regel die zweitgeborene Tochter einer reichen Familie, ihr Leben als Klosterfrauen. Sie wohnten in einzelnen kleinen H\u00e4uschen und waren von ihren eigenen Dienerinnen und deren Kindern umgeben. Diese Ordnung ergab ein Kloster, das wie eine kleine Stadt aufgebaut ist. Es gibt viele Wohnh\u00e4user und Strassen mit den Namen spanischer St\u00e4dte und sogar einen Marktplatz.<br \/>\nZum Sonnenuntergang treffen wir uns im Restaurant auf gleicher H\u00f6he mit den Glocken der Kathedrale. Von hier hat man einen \u00fcberw\u00e4ltigenden Blick auf die Plaza des Armas. Nachdem die Sonne ihre letzten Strahlen \u00fcber den Platz geschickt hat, verf\u00e4rbt sich der Himmel und erstrahlt mit der einsetzenden Beleuchtung des Platzes in st\u00e4ndig wechselnden Farben. Jetzt ist es auch Zeit, Sigrids Geburtstag zu feiern. Alle stimmen ein in ein herzliches Happy Birthday, sogar die Musiker und die Leute an den anderen Tischen.<br \/>\nNach dem sehr stimmungsvollen Apero geht es weiter ins Restaurant Zig Zag, wo wir f\u00fcr heute Abend einen Tisch reserviert haben. Es gibt Alpaca oder Rindsfilet vom heissen Stein und es wird ein wunderbarer Abend. Dass Sigrids Geburtstag auch hier noch einmal gefeiert wird, versteht sich von selber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>17. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Wir verlassen Arequipa am fr\u00fchen Morgen. Uns steht eine lange Fahrt mit dem Linienbus bevor, eine Fahrt ohne Stopp, mit Verpflegung im Bus, fast schon wie im Flugzeug.<br \/>\nEin kleiner Touristenbus bringt uns zum Terrapuerto, zum grossen Busbahnhof. Hier geben wir unser Gep\u00e4ck auf und untersuchen die kleinen L\u00e4den, was sie uns f\u00fcr unsere Fahrt anbieten k\u00f6nnen: Erdn\u00fcsse, Chips, Bonbons, Wasser. Um halb acht Uhr geht es los. Die Sitze sind bequem, die Sicht aus dem zweiten Stock grandios, nur das Wetter d\u00fcrfte etwas besser sein.<br \/>\nZuerst fahren wir durch die Berge. Auch wenn wir das nicht direkt sp\u00fcren, es geht abw\u00e4rts. Irgendwann verk\u00fcndet Ren\u00e9 die neue \u201eTiefe\u201c: 500 m. Schroff sind die Berge. Es w\u00e4chst nur noch Gras, das schon beim Austrieb aus dem Boden d\u00fcrr erscheint. Manchmal passieren wir eine einsame H\u00fctte, manchmal treffen wir auf eine Alpaka- oder Schafherde. Wie kann man in diesen einsamen H\u00f6fen \u00fcberleben? Wovon leben die Menschen, was tun sie?<br \/>\nImmer wieder \u00fcberholen wir schwere Lastwagen, werden \u00fcberholt oder es kommt uns ein Sattelschlepper mitsamt Anh\u00e4nger entgegen. Zudem herrscht trotz W\u00fcstenklima ein recht dichter Nebel. In den engen Kurven ergeben sich manchmal brenzlige Situationen, jedenfalls f\u00fcr uns, die wir diese Verh\u00e4ltnisse nicht gewohnt sind. Stark ist der Verkehr allerdings nicht. Die Lastwagen, ein paar Touristenbusse und ganz wenige private PKW, aber meistens geh\u00f6rt die Strasse uns allein.<br \/>\nKurz nach der Abfahrt wird ein kleines Fr\u00fchst\u00fcck serviert: Zwei Kekse und ein Glas Mangosaft. Sp\u00e4ter gibt es Mittagessen. Das ist sogar warm: Pouletschnitzel mit Reis und Pommes. Es schmeckt recht gut, ist nur etwas kompliziert zu essen, da die Strasse trotz gut gefedertem Bus ziemlich holprig ist.<br \/>\nIrgendwann kommen wir ans Meer. Von weitem sehen wir den weissen Saum der Wellen, und als wir n\u00e4her kommen, sehen wir, wie wild diese Wellen sind, wie hoch, wie weit draussen sie sich in hohen Bergen \u00fcberschlagen. Zischend brodelt die Gischt an den steinigen Strand, ergiesst sich \u00fcber Felsen, zieht sich wieder zur\u00fcck, um gleich darauf mit neuer Kraft wieder \u00fcber die Steine zu schwappen. Wir fahren jetzt entlang des Pazifikstrandes. Die Strasse windet sich hinauf bis auf 200 m, um hinter der n\u00e4chsten Biegung wieder auf Meeresh\u00f6he herunterzukommen. Manchmal durchschneiden fruchtbare T\u00e4ler, Flussoasen, das Kettengebirge. Dann entfernt sich die Strasse vom Meer, schl\u00e4ngelt sich in das Tal, auf schmalen Br\u00fccken \u00fcber den Fluss, um auf der anderen Seite wieder hinauf zu steigen. Gras gibt es kaum mehr, einmal passieren wir einen Kaktushain, wo alte verstaubte Kakteen mit dem wenigen Nass, das die Witterung bietet, zu \u00fcberleben versuchen.<br \/>\nEs sind fast nur noch Felsen und Sand, was sich unseren Augen bietet. Doch die Farben wechseln in einer magischen Weise. Mal erscheint alles gr\u00fcn, dann gibt es rote, braune Stellen und dann wieder erscheint die ganze Gegend in weissen und beigen Schichten. Es gibt hartes dunkles Gestein und leicht scheinende Schichten, die Geschichten von l\u00e4ngst erloschenen Vulkanen erz\u00e4hlen.<br \/>\nEs ist f\u00fcnf Uhr, als wir Nasca erreichen. Die Stadt liegt landeinw\u00e4rts, wir haben die W\u00fcste verlassen und sind jetzt wieder auf 550 m \u00fc.M. Wir beziehen unser Hotel, und nach einer kurzen Rast gehen wir in einem gem\u00fctlichen Restaurant in der N\u00e4he gemeinsam zum Nachtessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>18. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Es ist nie sicher, wann gestartet werden kann, wie die Sicht ist, ja ob \u00fcberhaupt geflogen werden kann. Die Linien und Zeichnungen in der Steinw\u00fcste von Nasca sind immer eine Art Lotterie. Ren\u00e9 erwartet am Morgen um halb acht Bericht.<br \/>\nDer Morgen begr\u00fcsst uns mit herrlichem Sonnenschein und der Bericht von Ren\u00e9 ist gut. Also heisst es packen, unser Bus erwartet uns, wir fahren zum Flugplatz. Nachdem wir alle gewogen und registriert wurden, warten wir auf den Aufruf. Und schon bald sind wir in der Luft.<br \/>\nIn kleinen Flugzeugen fliegen wir \u00fcber die Steinw\u00fcste. Zuerst muss man sich etwas an die Sicht gew\u00f6hnen, den \u00dcberblick f\u00fcr die Zeichnungen bekommen und pl\u00f6tzlich sieht man sie: Feine Linien, die in den Grund gescharrt wurden &#8211; der Affe, der Astronaut, die beiden Kolibris. Die Sicht ist fantastisch. Ganz klar erkennen wir die Zeichnungen am Boden. Unter uns breitet sich die weite Steinw\u00fcste aus, \u00fcberzogen mit Linien und Trapezen, die von Menschen vor Jahrhunderten in den Sand gescharrt wurden. Und diese Leute hatten keine M\u00f6glichkeit, ihre Werke mal von oben zu betrachten. Oder doch?<br \/>\nEin paar H\u00fcgel und die Panamericana unterbrechen die Weite. Da wo der Fluss fliesst, gibt es gr\u00fcne Flecken, fruchtbare gr\u00fcne Felder. Dreissig Minuten dauert der Flug, und alle kommen v\u00f6llig begeistert zur\u00fcck, niemandem ist es schlecht geworden, obwohl wir nat\u00fcrlich wieder alle versucht haben, die sch\u00f6nsten Motive f\u00fcr die Kamera einzufangen.<br \/>\nNoch vor dem Mittag sind wir zur\u00fcck und wir k\u00f6nnen weiterfahren. Nach einem kurzen Stopp bei dem Aussichtssturm an der Panamericana, wo wir die Plattform erklimmen und noch einmal auf Baum und H\u00e4nde schauen, geht es weiter, Richtung Ica.<br \/>\nIca ist das Zentrum der Pisco-Produktion. Und nach den vielen Pisco sour, die wir bisher getrunken haben, ist es an der Zeit, endlich einen Pisco-Fabrikationsbetrieb zu besuchen. Allerdings ist es bereits Mittag und die Zeit reicht nur noch f\u00fcr eine Piscodegustation und das Mittagessen, auf die Besichtigung der traditionellen Piscoherstellung mit den grossen F\u00e4ssern und dem alten Brennofen m\u00fcssen wir verzichten.<br \/>\nJetzt ist es nur noch eine kurze Strecke bis zu unserem Ziel, der Laguna von Huacachino. Gleich hinter Ica beginnt eine Sandd\u00fcnenlandschaft, wie man sich das gar nicht vorstellen kann. Nach dem Zimmerbezug besteigen Margrit und ich die D\u00fcne hinter dem Hotel zu Fuss, ein Schweiss treibendes Unterfangen. Wir werden aber belohnt mit einer fantastischen Fernsicht und einem traumhaften Sonnenuntergang. Das Geknatter der verschiedenen Sandbuggys, die mit Touristen unterwegs sind, st\u00f6rt hie und da die absolute Stille, die hier in dieser weltabgeschiedenen Gegend herrscht. Nach dem lustbetonten Abstieg durch den unter unseren F\u00fcssen immer wieder weggleitenden Sand drehen wir noch eine Runde zu Fuss um den Oasenweiher und beobachten u.a. einen kleinen Reiher beim Fischen.<br \/>\nZum Nachtessen gehen wir in ein gut besuchtes Restaurant \u00fcber dem Gew\u00e4sser und geniessen ein feines Mahl.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>19. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Nur eine Stunde dauert die Fahrt von Nasca bis Paracas. Wir fahren direkt ans Meer und machen im Hotel Libertador Zwischenhalt. Staunen! Sowas gibt es also auch in Peru? Das Hotel geh\u00f6rt zur Luxusklasse. Am grossen Pool gibt es elegante Sitznischen, im grossen Speisesaal fr\u00fchst\u00fccken ein paar wenige Touristen. Die Anlage ist grossartig und sehr gepflegt.<br \/>\nWir warten auf das Boot, das uns hinaus zu den Islas Ballestas bringen wird. Am Strand vorne lassen sich verschiedene V\u00f6gel sehr gut beobachten. Ein schneeweisser Reiher (Ist es ein Schmuckreiher?) kommt uns sehr nahe und l\u00e4sst sich ohne weiteres fotografieren. Auf einem Steg draussen sitzen Pelikane, Kormorane und M\u00f6wen. Im Sand pickt eine einzelne M\u00f6we an einem St\u00fcck Styropor herum. Ob das wohl schmeckt?<br \/>\nUm zehn fahren wir los. Abgesehen von einem Vater mit seiner pubertierenden Tochter ist unsere Gruppe allein auf dem Boot.<br \/>\nLos geht die Fahrt hinaus in die Bucht und dann ins offene Meer. Wir steuern eine Halbinsel an und sehen am Ufer eine Pelikankolonie. Sch\u00f6n sind sie, in ihrem grauen Gefieder und den grossen Schn\u00e4beln. Den langen Hautsack am Schnabel kann man in dieser Stellung nicht sehen, aber die V\u00f6gel sind trotzdem sehr eindrucksvoll, wie sie da stolz am Ufer stehen.<br \/>\nDann kommen wir zum Candelabro, einer Zeichnung im Sand, die wahrscheinlich aus der gleichen Vor-Inka-Kultur stammt wie die Linien in Nasca. Die Sonne strahlt von einem blauen Himmel, die Sicht ist grossartig und das Meer ruhig, auch jetzt, da wir auf das offene Meer&nbsp;hinaus&nbsp;steuern.<br \/>\nEin paar V\u00f6gel fliegen \u00fcber uns, ein paar Kormorane strecken ihre K\u00f6pfe aus den Wellen. Und dann sind wir pl\u00f6tzlich inmitten eines riesigen Vogelschwarmes. Rund um uns V\u00f6gel, sie scheinen alle in der gleichen Richtung zu fliegen. Und es werden immer mehr. Ein paar fliegen gegen den Strom, aber die meisten fliegen uns entgegen. \u00dcber uns, neben uns, vorne, hinten, \u00fcberall V\u00f6gel.<br \/>\nEs dauert nur ein paar Minuten, dann ist der Spuk vorbei, wir sind wieder allein, sehen jetzt die felsigen Inseln vor uns. Unterdessen sind alle aufgestanden, der Vogelschwarm hat niemanden kalt gelassen, fasziniert erwarten wir jetzt die Inseln. Ob da \u00fcberhaupt noch ein paar V\u00f6gel geblieben sind?<br \/>\nUnd ob da welche geblieben sind. Gegen acht Millionen V\u00f6gel sollen auf den beiden Felsen leben, erz\u00e4hlt unser Guia. Sie umschwirren die Inseln in riesigen Schw\u00e4rmen, hocken auf Felsvorspr\u00fcngen, in Nischen. Es sind riesige Kolonien von Seev\u00f6geln. Ihr Kreischen \u00fcbert\u00f6nt fast den Schiffsmotor, jedenfalls wenn er gedrosselt wird, um rund um die Insel zu kreisen.<br \/>\nDer Bootsf\u00fchrer n\u00e4hert sich dem Ufer, dringt in kleine Buchten ein, versucht alles, um uns die beste Sicht, die fantastischsten Bilder zu verschaffen. Abgesehen von ein paar Ohhh&#8230; Hast du das gesehen?&#8230;. und dem Knipsen der Kameras ist auf dem Boot nichts mehr zu h\u00f6ren.<br \/>\nStaunend betrachten wir die Szenerie vor uns, und r\u00fcmpfen nur ein wenig die Nase ob dem Gestank, den die ganze Pracht verbreitet. Auf diesen Inseln wird im Abstand von jeweils sieben Jahren der Guano-D\u00fcnger geerntet. Irgendwann landet er vielleicht in unseren Blumenkisten.<br \/>\nAuf der hinteren Seite der Felsen liegen ein paar Seel\u00f6wen matt in der Sonne. Sie lassen sich von den Besuchern nicht st\u00f6ren. Aber da dr\u00fcben wird einer verjagt. Es scheint, dass sich ein M\u00e4nnchen, das nicht zu der Familie geh\u00f6rt, einen Platz verschaffen m\u00f6chte. Sofort wird es von den anderen angefaucht und weggestossen. Minuten dauert der Kampf, dann gibt der Eindringling auf, l\u00e4sst sich elegant ins Wasser fallen. Der Chef des Clans hat unterdessen diskret weggesehen, solange seine Jungen die Situation im Griff haben, braucht es ihn nicht zu k\u00fcmmern.<br \/>\nUnser Guia macht uns auf Krabben aufmerksam, die knapp \u00fcber der Wasserkante am Felsen kleben. Sie krabbeln langsam, halten sich fest und werden immer wieder fast vom Felsen gesp\u00fclt. Auch einen Seestern gibt es zu sehen.<br \/>\nHinter den Felsen ankern die Fischerboote. Die Fischer lassen sich weder von den V\u00f6geln, noch den wenigen Touristenbooten irritieren. Ja, manchmal winken sie sogar zur\u00fcck, wenn man ihnen zuwinkt.<br \/>\nWir nehmen wieder Fahrt auf und fahren zur\u00fcck zum Pier.<br \/>\nGanz in der N\u00e4he des Luxushotels Libertador liegt unser Hotel, La Hacienda. Es liegt ebenfalls direkt am Meer. Es ist Mittagszeit, und wir setzen uns ins Restaurant am Pool. Mehrheitlich wird Fisch bestellt.<br \/>\nNach dem Essen haben wir freie Zeit, die je nach Temperament und Vorlieben rund um den Pool genutzt wird. Obwohl das Wasser im Pool noch etwas k\u00fchl ist, wagen sich ein paar hinein, um eine Runde zu schwimmen. Das Meer allerdings l\u00e4dt nicht zum Baden ein, denn die Strandregion ist mit Wasserpflanzen und sogar ein paar riesigen Quallen durchsetzt.<br \/>\nNach Sonnenuntergang treffen wir uns frisch und entspannt in der Bar zum Apero. Es wird Bilanz gezogen. Was war gut, was k\u00f6nnte man verbessern und was muss unbedingt im Programm gelassen werden. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen, seine eigenen Erlebnisse. Man spricht \u00fcber die Reise, \u00fcbers Reisen und \u00fcber die n\u00e4chste Reise.<br \/>\nUnd ganz leise schleicht sich neben der Wehmut um den baldigen Schluss dieser Reise auch die Freude ein, auf die Heimkehr. Zu Hause sein, in der vertrauten Umgebung, die Souvenirs auspacken (und die schmutzige W\u00e4sche), Geschenke verteilen, erz\u00e4hlen, ausruhen. Draussen h\u00e4ngt der Halbmond schief am Himmel &#8211; wir sind noch immer auf der s\u00fcdlichen Halbkugel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>20. Reisetag<br \/>\n<\/strong>Vier Stunden bis Lima durch eine abwechslungsreiche Gegend. Eigentlich w\u00e4re alles W\u00fcste, doch durch k\u00fcnstliche Bew\u00e4sserung wird die Gegend sehr fruchtbar. Baumwolle, Mais, Artischocken, Mangos, Zitrusfr\u00fcchte und vieles mehr entdecken wir auf den Feldern. Manchmal gibt es Str\u00e4nde mit verlassener Infrastruktur. Noch ist nicht Saison, noch ist Winterbeginn auf der s\u00fcdlichen Halbkugel.<br \/>\nAuch ein paar grosse Hotelressorts k\u00f6nnen wir entdecken, dazwischen Industrie, kleine D\u00f6rfer mit den typischen unfertigen H\u00e4usern. Man ist jederzeit bereit, noch einen Stock aufzubauen, ein Zimmer mehr zu erstellen, wenn Geld vorhanden ist oder eines der Kinder heiratet. Man lebt hier ein Leben lang im Provisorium.<br \/>\nLima empf\u00e4ngt uns unter dem typisch bedeckten Himmel.<br \/>\nWir fahren zur Rosa Nautica. Dieses Restaurant, draussen an der Pier von Miraflores, haben wir alle schon am ersten Tag vom Larcomar aus gesehen, und wir beide haben es bereits bei unserem Aufenthalt in Lima besucht.<br \/>\nBevor wir einkehren, schauen wir noch einem Moment den Surfern zu, wie sie da auf den Wellenk\u00e4mmen tanzen, eintauchen, wieder aufs Brett klettern und sich von neuem hinaus wagen. Das Meer ist wild, der Himmel tr\u00fcb.&nbsp;So soll sich Lima die meiste Zeit des Jahres pr\u00e4sentieren. Auf den Steinen am Ufer liegen Krabben. Das ist ihr Revier, hier werden sie mit genug Wasser und Sauerstoff versorgt, krabbeln \u00fcber die Steine.<br \/>\nIm Restaurant ist ein Tisch f\u00fcr uns reserviert: Das letzte gemeinsame Mittagessen, zur Feier des Tages in gediegener Atmosph\u00e4re, mit Pianobegleitung und eleganten Kellern.<br \/>\nUnd dann fahren wir zum Flughafen: Einchecken und noch einen gemeinsamen Kaffee trinken. Mit gemischten Gef\u00fchlen verabschieden wir uns von Beatrice und Ren\u00e9, die beide noch ein paar Tage in Peru bleiben: Einerseits Bedauern, dass es schon vorbei ist, andererseits aber auch die Vorfreude, wieder nach Hause in unsere Wohnung und zu unseren bekannten Leuten zur\u00fcckzukehren.<br \/>\nWir haben zusammen in einer ausgezeichnet harmonierenden Gruppe mit sachverst\u00e4ndiger und gut vorbereiteter Reiseleitung viele tolle Dinge gesehen und erlebt. Es war wirklich super!!! Danke f\u00fcr alles.<br \/>\nUnd dann besteigen wir das Flugzeug und nehmen den langen Flug zur\u00fcck nach Europa unter die Fl\u00fcgel.<\/p>\n<p><em>Den Reisebericht habe ich weitgehend von Beatrice \u00fcbernommen. Er ist nachzulesen unter<br \/>\n<\/em><a href=\"http:\/\/www.umdiewelt.de\/Die-Amerikas\/Suedamerika\/Peru\/Reisebericht-7544\/Kapitel-0.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.umdiewelt.de\/Die-Amerikas\/Suedamerika\/Peru\/Reisebericht-7544\/Kapitel-0.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Reisetag Um 6 Uhr fuhren wir nach Z\u00fcrich Flughafen, wo nach und nach auch die anderen Reiseteilnehmer eintrudelten. Lang war der Flug \u00fcber den Atlantik. Elf Stunden im Flugzeug sitzen macht keinen Spass. Aber irgendwann sind diese Stunden auch vorbei, irgendwann kommt man am Ziel an. Wenigstens waren die Sitze bequem, das Personal freundlich<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[8,7],"tags":[],"class_list":["post-65","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-perurundreise","category-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mapeadventures.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mapeadventures.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mapeadventures.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mapeadventures.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mapeadventures.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=65"}],"version-history":[{"count":45,"href":"https:\/\/mapeadventures.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4627,"href":"https:\/\/mapeadventures.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65\/revisions\/4627"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mapeadventures.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=65"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mapeadventures.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=65"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mapeadventures.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=65"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}