Indien-Reise

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Schon früh sind wir wach und auch etwas nervös. Unsere Abreise steht bevor. Nachdem wir uns bereit gemacht, die Wohnung fertig aufgeräumt und alle elektrischen Geräte ausgeschaltet haben, machen wir uns auf den Weg zur Bahnstation. Um 06:20 Uhr fährt der Zug nach Olten. Im COOP holen wir uns je eine Schale und ein Gipfeli, da die Umsteigezeit das zulässt und wir ohne Frühstück gestartet sind. Der IC bringt uns zum Flughafen, wo wir einchecken, unser Gepäck aufgeben können und die ersten Reiseteilnehmer unserer Gruppe treffen. In der Byebye Bar vervollständigt sich die Gruppe, wir stossen miteinander auf eine gute Reise an und begeben uns darauf zur Pass- und zur Sicherheitskontrolle. Problemlos können wir passieren. Nun beginnt das Warten beim Gate.

Der Flug ist lang und ohne grosse Turbulenzen. Circa um 20 Uhr MEZ (23:30 Uhr Ortszeit) landet unsere Maschine, ein Airbus A 330-300 sanft und bei Dunkelheit in Delhi. Die nachfolgenden Prozeduren bei Zoll und Polizei sind langwierig und dauern insgesamt rund zwei Stunden. Nachdem wir unsere Koffer in Empfang genommen und den Ausgang gefunden haben, werden wir von Margrits Cousine und Sumer, dem indischen Reiseleiter empfangen und begrüsst. Mit einem riesigen Car werden wir 12 Gäste zum Hotel gefahren und können dort unsere Zimmer beziehen. Davor aber werden wir mit einem Blumenkranz und einem herzlichen NAVASTE (indisches Grusswort) begrüsst. Unterdessen ist es drei Uhr geworden, echt Zeit zum Schlafen.

 

Freitag, 23. Oktober 2026

Nach einer kurzen Nacht und einem reichhaltigen Frühstück fahren wir um 09:30 Uhr mit dem Touristenbus los. Erstes Ziel ist die grosse Moschee von Old Delhi, Jama Masjid, aus dem 16. Jahrhundert, eine rote Sandsteinmoschee im Mogulstil aus dem 17. Jh. mit Platz für 25 000 Personen und 40 m hohen Minaretten.

Nächstes Ziel ist der Gewürzmarkt. Den erreichen wir mit einer Rickscha. Die Fahrt ist ein absoluter Höhepnkt. Unser Fahrer, ein kleiner, drahtiger Inder muss sich recht ins Zeug legen, um uns hinzubringen. Erstens sind wir beide keine Leichtgewichte, und zweitens ist der Verkehr horrend. Fussgänger, Tuk-Tuns, Roller, schwerere Motorräder und Autos drängen sich durch die engen Strassen und Gassen. Daneben sind auch Lastenträger zu Fuss und mit Handkarren unterwegs, ein Chaos und ein durchdringendes Gehupe, von lauten Flüchen begleitet, bilden den Hintergrund des Geschehens. Kaum sind wir aus der Rickscha ausgestiegen, bedrängen uns fliegende Händler mit tausenden verschiedenen Artikeln, die sie uns verkaufen möchten. Und die geben nicht so schnell auf. Sie bieten Aktionspreise an. Zu diesen gesellen sich grosse und kleine Bettelnde, die sich mit Trommeln, Akrobatik oder mit bemitleidenswerter Mimik und mit Babys in den Armen um ein wenig Geld bemühen. Das ist die bedrückende Kehrseite des bunten und lauten Treibens in diesen Gassen. Und auch der Dreck und die herumliegenden Abfälle geben uns zu denken. Mit der Rickscha werden wir zum Ausgangspunkt zurückgebracht. Von da aus fährt uns unser Bus zum Radjiv Ghandi-Memorial. Hier erzählt uns Sumer, unser indischer Führer, die bewundernswürdige Geschichte des indischen Staatsvaters.

Nun führt uns Sumer zu einem Restaurant, wo wir eine Mittagspause einlegen. Hier probieren wir ein paar Gerichte aus der indischen Küche: Pilzragout, Spinatgemüse, Tomatensuppe und verschiedene Fladenbrote (Nan).

Nach der Rast werden wir zum Sikhtempel gefahren. Das riesige Areal dürfen wir nur barfuss betreten. Der Rundgang führt in den Speisesaal, wo schätzungsweise über 100 Personen am Boden sitzend am Essen sind. Personal ist mit grossen Kübeln und Brotbehältern unterwegs um nachzuschöpfen. Gegessen wird aus grossen Metallplatten mit mehreren Vertiefungen, in die das Essen eingefüllt wird. Der nachfolgende Gang durch die Küche, auch das barfuss, zeigt die Dimensionen auf. Aus einem riesigen Kippgefäss wird eine Suppe in Eimer abgefüllt, aus denen im Speisesaal geschöpft wird. In einem speziellen automatischen Backofen mit Rollen und Förderbändern werden Fladenbrote aus Teigbällchen zu flachen, runden Scheiben gepresst, dann gebacken und in einen Behälter ausgeworfen.

Der Rundgang führt nun durch ein Fusswaschbecken in den Tempel, wo drei Männer musizieren und singen und das Heilige Buch mit Tüchern bedeckt aufbewahrt wird. Wenn man aus dem Tempel herauskommt, breitet sich ein riesiger Wasserpool aus, in dem offenbar rituelle Bäder stattfinden. Wir gehen um ihn herum und gelangen zur Treppe, die zum Hauteingang des Tempels hinaufführt. Wir begeben uns zur Garderobe, wo wir unsere Schuhe wieder anziehen, eine uns unverständliche Gemeinschaft hinterlassend.

Danach begeben wir uns zu Fuss und mit dem Car in ein Rooftop Restaurant nahe bei der grossen Moschee und lassen dort mit prächtger Kulisse den Tag ausklingen. Den Weg zurück zum Hotel bewältigen wir mit Tuk-tuks und mit der topmodernen Metro.

 

Samstag, 24. Oktober 2026

Heute Morgen ist früh Tagwache. Um sieben sitzen wir am Frühstückstisch, denn eine Stunde später ist die Abfahrt programmiert.

Mit wenig Verspätung führt uns der Bus zum UNESCO-Weltkulturerbe Qutb Minar. Der Komplex aus Moscheen, Minaretten und anderen Bauwerken ist ein Zeugnis der architektonischen und künstlerischen Leistungen islamischer Herrscher, nachdem diese im 12. Jahrhundert ihre Macht auf dem indischen Subkontinent etabliert hatten. Der Turm ist 72.5 m hoch und hat an der Basis einen Durchmesser von 14.3 m. Wir bestaunen ihn und fotografieren viel.

Nun steht uns eine längere Fahrt nach Mandawa bevor. Unterwegs schaltet unser Guide Suni zwei Zwischenhalte ein. Der erste findet in einem Restaurant mit eigener Bierbrauerei statt. Ein kühles, mildes Bier in einem dunklen Lokal schmeckt lecker und motiviert zur Weiterfahrt. Den verspäteten Mittagshalt verbringen wir unter einem hohen, in Gelb und Orange gehaltenen Baldachin bei einem indischen Buffet, wo wir uns selbt bedienen können.

Kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir den von Suner gebuchten Resort mit grosszügig ausgestatteten Bungalows. Ein kühlendes Bad im Pool und eine anschliessende einmalige Puppentheater-Auffürung sind weitere Höhepunkte.

Der Abend klingt bei angenehmen Temperaturen im Freien mit einem Glas Wein und angeregten Gesprächen aus.


Sonntag, 25. Oktober 2026

Um acht ist Abfahrt von unserer Unterkunft ins Zentum von Mandawa. Diese Stadt liegt an der alten Seidenstrasse und war eine wichtige Umladestation und reiche Handelsstadt. Bedingt durch die Modernisierung des Handelsverkehrs verlor sie ihre Bedeutung, und die wohlhabenden Händler zogen weg, in die Hafenstädte, wo sie bessere Bedingungen vorfanden. Ihre Karawansereien, Geschäftskontore und Wohnhäuser wurden nicht mehr unterhalten und begannen zu zerfallen. Wenige Familien unterhielten Beziehungen mit ihrer Heimat, modifizierten ihre Besitze und trugen auf diese Weise dazu bei, dass ihre Anlagen noch einigermassen erhalten blieben. So können wir wenigstens ansatzweise die Pracht ihrer Häuser bewundern. Aber es ist sehr schade, wie hier unwiederbringliche Kulturgüter zerfallen.

Unsere Weiterreise per Bus führt uns nach Jaipur, das wir ungefähr um drei Uhr erreichen. Schlechte Strassen und der Langsamverkehr verhindern ein zügiges Vorwärtskommen. Hier beziehen wir die Hotelzimmer und geniessen anschliessend ein typisch indisches Essen ab Buffet.

Am Abend fahren wir in die Altstadt Jaipurs und machen einen längeren Spaziergang in den Strassen und Gassen dieser Stadt. Und da treffen wir viel von dem an, was das Leben in indischen Städten zu bieten hat: Verkehrschaos bis zum Geht-nicht-mehr, unzählige Verkaufsstände mit einem unübersehbaren Angebot von Artikeln des täglichen Lebens, Reparaturwerkstätten für alles Mögliche, eine Menschenmenge mit ärmsten und wohlhabenden Menschen… Einfach Chaos, Lärm, Schmutz, Kühe, Hunde, Gelassenheit bis Faralismus…

 

Montag, 26. Oktober 2026

Am heutigen Tag ist die Vier-Millionen-Stadt Jaipur und ihre Umgebung Ziel unserer Erkundungen. Schon um acht Uhr fahren wir im Car weg Richtung Fort Amber. Im Stadtteil Devisinhpura machen wir einen Halt, um einerseits ein Bauwerk zu betrachten, das Amphitheater mässig in den Boden hinein gebaut ist und laut unserem Guide Sumi eine hervorragende Akkustik bietet, andererseits um einen Blick auf die weiter oben liegende Festung Amber zu geniessen.

Danach geht’s weiter zu den Schloss- und Festungsbauten auf dem Grat des Gebirgszugs. Das Fort Amber gilt als typisches Beispiel für hinduistische Baukunst. Mit seinen großen Stadtmauern und einer ganzen Reihe von Toren und gepflasterten Wegen überblickt die Festung den Maota-See, die Hauptwasserquelle des Ortes.

 

Dienstag, 27. Oktober 2026

Heute soll es einen gemütlichen Tag geben. Nach dem Frühstück und dem Koffer-Packen fahren wir etwa um neun Uhr ab. Ziel ist das Städtchen Pushkar. Wir fahren vorwiegend auf der Autobahn Dehli-Mumbay. Aber darauf kann man auch vielen anderen Gefährten begegnen. Gefahren wird ohne strenge Regeln. Es herrscht Linksverkehr vor, aber nicht alle Verkehrsteilnehmer halten sich daran. Glücklicherweise ist vielfach ein breiter Streifen Niemandsland neben den Fahrspuren. Lastwagen und Busse fahren vielfach ganz rechts neben dem Mittelstreifen. Überholt wird links und rechts und durch die Mitte. Die Hupen sind ständig zu hören.

Etwa um eins erreichen wir Pushkar und unsere Unterkunft, wo wir dann auch etwas essen können. Im Verlaufe des Nachmittags werden wir mit dem Bus ins Zentrum gefahren und gehen zu Fuss durch die auf beiden Seiten der Strasse stehenden Marktstände zum einzigen Brahmatempel in Indien. In einem Lederwarengeschäft in Tempelnähe deponieren wir unsere Schuhe und unsere Rucksäcke und begeben uns in Socken oder barfuss in den Tempelbereich. Eine grosse Menge Gläubige steht da ebenfalls an, und sie bringen Blumen und andere kleine Opfergaben mit, die im Tempel deponiert werden.

Danach laufen wir zu einem kleinen See, dessen Wasser heilig ist, und wo sich Gläubige am Ufer mit diesem Wasser übergiessen und darin eintauchen. Damit waschen sie sich von ihren Sünden rein. Zudem können wir zwei Frauen beobachten, die mit der Reinigung der Fugen eines Plattenbodens beschäftigt sind und sich aus dem See das dazu notwendige Wasser in Eimern holen und auf dem Kopf tragend zum Arbeitsort bringen.

Unser nächstes Abenteuer ist eine Kamelwagenfahrt in die umgebende Sandwüste, um dort den Sonnenuntergang zu beobachten. Die Fahrt ist für uns beide recht beschwerlich, muss man da doch auf eine ebene Fläche sitzen. Dabei ist die Fahrt recht holprig und wirkt unliebsam auf Muskeln, Knochen und Gelenke. Die Sonne zeigt sich röter werdend am Horizont und verschwindet dann vorzeitig im Dunst. Und wir fahren zurück ich unserer Unterkunft.

Da derzeit in Pushkar ein Hindufest stattfindet, müssen wir unser Abendessen ohne Bier oder Wein geniessen. Der Alkoholausschank ist verboten.

 

Mittwoch, 28. Oktober 2026

Der heutige Tag führt uns nach Jodhpur. Abfahrt ist um acht Uhr. Schon bald erreichen wir die Autobahn. Und da erleben wir etwas ganz Spezielles:

Mäusejagd im Car
In unserem Bus erregt plötzlich eine winzige Maus Aufsehen. Während eines Vortrags unseres Reiseleiters Sumi rennt unerwartet ein solches Lebewesen im Mittelgang nach hinten und versteckt sich unter den Sitzen. Erst nach einiger Zeit taucht das Mäuslein wieder auf, kann sich aber vor dem Fusstritt Sumis retten. Einige Zeit später taucht es erneut auf. Sumi gelingt es, das Tierchen in die Fahrerkabine zu lenken. Und dort kann es der Resevefahrer ins Freie entlassen, indem auf der Autobahn, zur Hälfte auf dem Pannenstreifen, angehalten und die Tür nach draussen geöffnet wird. Und die Moral von der Geschichte: So gelangen unerwünschte Lebewesen in Ökosysteme, wo sie dann unerwünscht sind und sogar Schaden anrichten können.

Unsere Fahrt geht weiter. In Beawar schaltet Sumi eine Pause ein, wo wir in einem kleinen, romantischen Restaurant Kaffee und andere Getränke bestellen. Noch bevor wir Jodhbur erreichen, fahren wir zu unseren linken Seite an einer kleinen Herde Hirsch-Ziegen-Antilopen vorbei. Diese leben hier in freier Wildbahn, gelten als heilige Tiere und sind deshalb geschützt.

Als nächstes fahren wir zu einer Gedenkstätte namens Lawaran, die zu Ehren eines Marahadjas von Jodhpur errichtet wurde. Sie ist aus weissem Marmor erbaut. Um sie herum wurden weiter kleinere Denkmale für Mitglieder der Könlgsfamilie errichtet. Der ganze Komplex ist seh gepflegt und liegt auf einer Anhöhe mit Aussicht auf die Umgebung, insbesondere auf das Mehrangarh Fort, das wir anschliessen besichtigen. Das ist ein Gebäudekomplex, der noch etwas höher liegt und sowohl als Königspalast als auch als Befestigungsanlage diente. Die Wohn- und Repräsentationsbauten sind aus Sandstein aus der Umgebung gefertigt und feinstenst bearbeitet. Von hier aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt Jodhpur, die auch blaue Stadt genannt wird. Weit in der Ferne ist auch der Königspalast zu sehen, wo der aktuelle Maharadja mit seiner Familie wohnt.

Nach dieser Besichtigung fährt unser Bus zum Hotel, wo wir unsere Zimmer beziehen und ein Nachtessen geniessen können mit anschliessendem Zuammensitzen.

 

Donnerstag, 29. Oktober 2026

Heute steht eine längere Fahrt auf dem Programm. Unser Ziel ist Udaipur, etwas mehr als 200 km entfernt. Der Tag beginnt gemächlich. Um 08:15 Uhr ist Abfahrt. Zuerst werden wir in Jodhpur in ein Geschäft geführt, wo Textilien, Antiquitäten und Schmuck en gros und Detail angeboten werden. Der Geschäftsführer persönlich begrüsst uns und stellt uns den Textilbereich seiner Firma vor. Nach einigen Angaben zum Betrieb stellt er uns handgewobene Tücher von geschätzt drei auf zwei Meter vor, nennt dabei immer, um wa für Material es sich dabei handelt und welche Berühmtheiten bei ihm bestellen. Er nennt verschiedene Labels und zeigt uns Beispiele von Produkten, die er seiner Kundschaft lieferte und welche Materialien zu deren Herstellung verwendet werden. Die teuersten Tücher bestehen aus der Wolle wilder Vikunias. Danach folgen Zuchtvikunia-, Yakwolle mit Seide, Kaschmir- und andere Tücher, die er feilbietet. Bei ihm bekommt man diese Tücher in einem Bereich von 50 bis 200 Franken. In den Designerläden bewegt sich der Preis dafür gemäss seiner Ausführungen in einer Spanne von mehreren hundert bis fünftausend Franken. Mit Erfolg kann er einige Exemplare verkaufen. Zudem bringt er noch verschiedene Schäle, für die er ebenfalls Abnehmer findet.

Die Mittagspause machen wir in einem Touristenrestaurant in R…, wo wir ein gutes Mittagsbuffet vorfinden. Wir geniessen die Pause, denn noch liegt eine Lage Fahrt vor uns.

Die nächste Station ist der Adinath-Tempel  der Jain-Gemeinschaft in Ranakpur. Die Jain-Anhänger halten sich streng an fünf Grundsätze, die in etwa den zehn Geboten der christlichen Religionsgemeinschaften entsprechen. Der Tempel darf nur barfuss betreten werden. Er besticht durch die vielen Säulen, alles Unikate, und durch die Skulpturen. Der ganze Bau ist aus Marmor gefertigt und mit reichhaltigen Figuren und Ornamenten versehen – ein fantastisches Meisterwerk.

Anschliessend befahren wir in unserem Car eine kurvenreiche und enge Passstrasse, die auf eine Höhe von rund 910 m führt. Dabei beginnt es zu regnen. Am Strassenrand hocken Affen, die wahrscheinlich köstliche Happen erwarten. Der Regen hört schon bald auf, und langsam dunkelt es ein. In den Dörfern, die wir passieren, ist immer noch reichlich Betrieb. Schon bald gelangen wir wieder auf eine Autobahn, was das Vorwärtskommen beschleunigt. Unterdessen ist es ganz dunkel geworden.

Ca. um halb acht kommen wir vor unserem Hotel in Udaipur an, können gleich unsere Zimmer beziehen und anschliessend in der Rooftop-Bar einen Drink und Essen bei angenehmer Temperatur im Freien geniessen.

Freitag, 30. Oktober 2026

Um acht Uhr treffen wir uns vor dem Hoteleingang und fahren mit dem Bus zum Stadtpark von Udaipur. Dort unternehmen wir einen Spaziergang entlang der geometrisch angelegten Wege und Gartenanlagen. Dazwischen liegen verschiedene reich verzierte Springbrunnen. In den Gärten wachsen Palmen, Bäume und kleinere Pflanzen, die die oft stickige und stinkende Luft in den Strassen uns vergessen lassen. Sumi weiss über die Nutzung der Anlage viel zu erzählen und zeigt auf, dass diese vor allem von der Königsfamilie und den besser gestellten Leuten zur Verfügung stand. Heute ist der Park öffentlich.

Danach fahren wir zurück zum Hotel und von da aus in die Altstadt, vor den Jagdishtempel, der dem Hindugott Vishnu geweiht ist. Über eine steile Treppe erreichen wir das Gebäude, das nur barfuss betreten werden darf. Also ziehen wir unsere Schuhe aus und deponieren sie. Aus dem Innern dringt eintöniger Gesang von Instrumenten begleitet nach aussen, wir betreten den Tempel, wo am Boden sitzend eine Frauengruppe singt. Vorne ist ein grosser Mann mit dem Arrangieren von Gegenständen beschäftigt. Plötzlich wird ein dunkler Vorhang beiseitegeschoben unddahinter steht die Statue Vishnus. Margrit und ich machen einen Rundgang um die singende Frauengruppe und verlassen das Innere. Der Tempel besteht aus Marmorplatten, die rundherum mit lauter verschiedenen Skulpturen ausgestattet sind. Es ist erstaunlich, was hier an detaillierter Steinhauerarbeit geleistet wurde.

Anschliessend gehen wir durch eine Gasse mit Marktständen auf beiden Seiten zum Königsschloss, dem City Palace von Udaipur, hoch. Die grossartige Anlage liegt auf einer Anhöhe über der Stadt und ist bezüglich ihrer Nutzung dreigeteilt. Ein Teil ist Hotelbetrieb, ein Teil Stadtmuseum und ein dritter Trakt wird von der Königsfamilie bewohnt. Wir widmen dem Museum einen längeren Besuch und staunen auch hier über die Art und Weise, wie dieser Palast gebaut und ausgestattet wurde.

Darauf ist Mittagspause angesagt, die wir im nahen Restaurant verbringen. Sumi gibt uns dabei das weitere Programm für den heutigen Tag bekannt, das um halb fünf beginnt. In Tuk-tuks werden wir in halsbrecherischer Fahrt durch enge Gassen und  regen Fussgänger-, Motorrad- und Tuk-tukverkehr zum Hotel zurückgefahren und kommen dort durchgeschüttelt, aber heil an.

Die Pause verbringe ich mit Schreiben und Fotos ordnen. Zur vorgegebenen Zeit sind wir wieder vor dem Hotel, können den Car besteigen und werden damit zum Palast-See gefahren. Dort steigen wir in ein Personenschiff, das uns zur Insel Jagmandir bringt. Auf der Fahrt bewundern wir den Sonnenuntergang, und auf der Insel warten wir das Eindunkeln ab. Im Palast und in den Häusern am Seeufer werden die Lichter eingeschaltet. Der Effekt stellt sich ein. Die Umgebung leuchtet wunderbar, während wir an den Einstiegsort zurückfahren.  Von der Landungsstelle steigen wir noch zum Palast hoch, wo wir noch viel intensiver die Prachtbauten erfassen können. Danach begeben wir uns zu Fuss zum wartenden Car und fahren zurück zum Hotel. In der Rooftop-Bar unseres Hotels lassen wir den interessanten Tag im Freien ausklingen.

 

Samstag, 31. Oktober 2026

Uns steht eine lange Busfahrt bevor. Ziel ist Bundi. Um neun starten wir mit dem Car. In der Stadt herrscht um diese Zeit starker Verkehr. Unsere beiden Chauffeure meistern ihre Aufgabe vorzüglich und schleusen das lange und schwere Gefährt geistesgegenwärtig durch das Chaos. Nach rund zwei Stunden Fahrt machen wir einen Kaffeehalt in einem neuerstellten Resort an der Strasse. Während der Fahrt gibt es immer wieder Interessantes zu sehen, sei das ein spezielles Gefährt, ein Rindvieh auf dem Mittestreifen, ein Motorradfahrer, der uns auf unserer Fahrspur entgegenkommt, … Dazu kommt eine abwechslungsreiche Landschaft mit weiten Ebenen und Gebirgszügen, baumreich und grün oder gelb und trocken, kultivierte und wilde Gegenden…

Den Mittagshalt machen wir in einem Resort wenig abseits der Hauptstrasse. Ein paar hundert Meter davon entfernt steht eine Tempelanlage zu Ehren Shivas aus dem 11. Jahrhundert. Das Hauptgebäude ist rund herum mit Skulpturen geschmückt, die zum Teil ans Kamasutra erinnern. Die ganze Anlage macht einen vernachlässigten Eindruck und leider sind viele Teile zerstört. Etwas abseits ist ein Wasserfall zu finden, der allerdings infolge der Trockenheit nur noch ein kleines Rinnsal ist. Die Landschaft ist aber wild und sehenswert.

Nun begeben wir uns ebenfalls zum Resort zurück und geniessen ein indisches Gericht. Für mich gibt es Kichererbsenbällchen in einer spicy Sauce und fried rice, für Margrit Frühlingsrollen. Beides schmeckt uns.

Die Weiterfahrt bringt uns nach Bundi, wo wir das Hotel beziehen und frei sind bis halb acht. Diese Zeit nutzen wir, um uns in der Stadt zu zweit etwas umzusehen. Wir besuchen den Markt, werden da und dort angehauen und in Kurzgespräche verwickelt. Wir kosten Wassernüsse und bestaunen das riesige Angebot. Angefangen mit landwirtschaftlichen Produkten über Esswaren, Kinderspielsachen, Beleuchtungsmittel fürs bevorstehende Lichterfest, Süssigkeiten, Kokosnüsse, Gewürze, Küchenutensilien etc. ist fast alles für den Normalbedarf zu vorhanden.

Um halb acht stehen vier Tuk-tunks vor dem Hotel bereit. In ihnen werden wir zu drei verschiedenen Standorten mit besonders attraktiven Fotosujets gebracht. Schliesslich ist es jetzt dunkel und der kleine See und das Schloss auf der Anhöhe erstrahlen mit den internen und umliegenden Beleuchtunsquellen gern fotografierte Objekte.

Nach diesem Ausflug treffen wir uns im Restaurant zum Nachtessen.

 

Sonntag, 1. November 2026

Dieser Tag soll laut Sumi ein Überraschungstag werden. Wir sind gespannt. Um viertel vor neun, nach dem Herausstellen der Koffer vor die Zimmertüren, starten wir zu einem Fussmarsch durch Bundi. Grossenteils sind die Strassen und Gassen von Marktständen gesäumt. Sumi hält an interessanten Stellen an und erläutert uns die Zusammenhänge. Der erste Halt erfolgt an einem Essensstsnd, wo gut gewürzte Gemüsekrapfen hergestellt und frittiert werden. Als einziger der Gruppe lasse ich mir einen überreichen und esse ihn mit Genuss. Danach schauen wir einer Frau zu, die gekochte Wassernüsse zum Verkauf vorbereitet, indem sie mit einem speziellen Messer zwei Kerben in die Schale macht. Selbstverständlich probieren sie jetzt fast alle. Sie schmecken ähnlich wie Maroni. Den Halt an einem Gewürzstand nutzt Margrit, um schwarze Pfeffer- und Korianderkörner sowie gelbe Linsen zu kaufen. Beim Barbier schauen wir zu, wie er seinem Kunden die Barthaare rasiert und den Schnurbart zurechtstutzt. Unterwegs schauen wir noch in einen Treppenbrunnen, der angelegt wurde, um Grundwasser zu sammeln und zu fassen. Heute haben diese Brunnen keine Bedeutung mehr, da der Grundwasserspiegel als Folge der Klimaerwärmung sehr stark gesunken ist. Darauf halten wir an einem Stand an, vor dem eine Menge Leute anstehen. Sumi erklärt, dass arme Familien Anrecht auf staatliche Getreideabgaben haben und dass sie hier mit den entsprechenden Papieren diese Hilfe beziehen können.

Daneben schaue ich auch auf die Gebäude und sehe, dass viele von ihnen ursprünglich ein ansprechendes Aussehen hatten, aber dass der Unterhalt total vernachlässigt wurde und immer noch wird. Ich frage mich, was die Aussagen Sumis über die Sozialhife des Staatea an die niedrigen Kasten bewirken. Er behauptet nämlich, dass diese Hilfe dazu beiträgt, die Armut des Volkes zu verstärken, da die Faulheit der Menschen dadurch belohnt werde. Dazu kommen noch die Vergünstigungen, die den Armen im Bildungsbereich gewährt werden, indem sie für die Erreichung von Diplomen von Zusatzpunkten profitieren, für die sie keinen Aufwand betrieben hätten. Ein wirklich schwieriges Thema!

Am Ende unseres Spaziergangs können wir den Bus besteigen. Die Fahrt endet nach zwei Zwischenhalten um viertel nach drei in Dausa in einem palastähnlichen Hotel mit riesigem Park, den wir gegen Abend gemeinsam besichtigen. Der Hotelbetrieb wird ergänzt mit einem riesigen Gemüse- und Kräutergarten sowie mit Viehhaltung für die Produktion von Lebensmitteln.

Am Abend ist dann Sumis Überraschung fällig. Er kocht für uns vor unseren Augen ein gemischtes Gemüsegericht, das wunderbar schmeckt. Und zum Nachtessen spendet er uns ein indisches Buffet mit besten Spezialitäten – ein Gaumenschmaus, den wir in indischer Kleidung geniessen können, da die Frauen vorher mit einem farbigen, langen Tuch von einer Fachfrau „Fachfrau“ umwickelt werden und die Männer einen Turban um den Kopf gewickelt bekommen. Mit einem gemeinsam gesungenen Liedchen verdanken wir diese gelungene Überraschung.

 

Montag, 2. November 2026

Morgens um viertel vor neun starten wir in Dausa im Car. Die Chauffeure quälen sich vorerst durch dichten Stadtverkehr. Erster Halt ist beim grössten Stufenbrunnen Indiens in Abhaneri. Vorerst aber besuchen wir die Ruine des Marshat Hata-Tempels, der im 8. und 9. Jahrhundert erbaut wurde. Im 10. und 11. Jahrhundert wurde er von den Moslems, die in Agra als Hauptstadt regierten, zerstört und später von den Hindus teilweise restauriert. Der Stufenbrunnen daneben stammt aus derselben Zeit und weist eine Tiefw von fast 20 m auf. Wir können auf den engen Treppen ein Stück weit hinuntersteigen und die Architektur dieses Bauwerks bewundern. Es ist erstaunlich, wie dieses Bauwerk, das einer in den Boden hinein gegrabenen und mit Stufen versehenen Pyramide ähnelt.

Als Nächstes halten wir bei einem Ziegenmarkt. Hier herrscht ein sagenhaftes Chaos. Unser Car steht zur Hälfte noch auf dem linken Fahrstreifen der Autobahn. Überall stehen Leute und Fahrzeuge herum. In einem mit einer Hecke abgetrennten Areal werden Ziegen gehandelt und abtransportiert, auf Kleintransportern, auf riesigen Viehtransportern und ein Exemplar sogar auf einem Moped zwischen dem Fahrer und dem Mitfahrer. Die Ziegen sind sehr verschiedenfarbig und lassen die Behandlung gelassen über sich ergehen.

Mittagessen ist in einem Touristenresort mit reichhaltigem Buffet. Um halb drei treffen wir im Hotel in Agra ein und verbringen die Zeit bis zum Abendessen mit der Verarbeitung der zahlreichen Eindrücke.

 

Dienstag, 3. November 2026

Schon um 5 Uhr morgens treffen wir uns in der Hotellobby. Ein weiterer Höhepunkt steht uns bevor. Noch ist es dunkle Nacht, als wir uns zur Strasse vor dem Hotel begeben. Fahrzeuge mit und ohne Licht, aber sicher mit Hupe, sind unterwegs. Auf unseren Car müssen wir noch etwas warten. Und nun geht’s los. Wir werden ein Stück weit gefahren, dann erfolgt der Umstieg auf einen kleinen Elektrobus, und der fährt uns zum Eintrittsbereich des Weltkulturerbes der UNESCO, zum TAJ MAHAL. Hier heisst es Anstehen. Vor uns ist schon eine beträchtliche Menschenmenge, hinter uns wird die Schlange länger und länger. Um sechs öffnet das Tor. Alle Besucher werden durch Sicherheitsleute geprüft. Teils müssen sie ihre Taschen öffnen und sie durchsuchen lassen. Mir einem Metalldetektor werden wir gescannt und der Körper wird abgetastet. Nach diesem Sicherheistest gelangt man ins Areal. Ein Riesenrun geht los. Viele Leute wollen sich exakt auf der Symmetriachse des Gebäudes ablichten lassen, und das in verschiedenen Posen. So bildet sich schnell eine längere Schlange. Ander steuern auf das Gebäude zu, um ins Innere tu gelangen, das nur barfuss oder in mitgebrachten Socken oder mit zur Verfügung gestellten Überschuhen betreten werden darf. Mitten im Innenraum steht der Sarkophag der indischen Kaiserin Mumtaz Mahal, die mit 39 Jahren bei der Geburt ihres 14. Kindes starb. Assymmetrisch daneben steht der Sarg ihres Mannes Shah Jahan, der einige Jahre später verstarb.

Wir verbringen einige Zeit im sehr schön gepflegten Areal, staunen ob den kunstvollen Einlegearbeiten am Denkmal und beobachten Kuhreiher, Hirtenmainas und Palmenhörnchen. Nach dem einmaligen Besuch dieser historischen Stätte werden wir zum Morgenessen ins Hotel zurückgefahren.

Nun will uns Sumi die topmoderne Metro von Agra zeigen. Wir fahren dazu mit ihr von der Station „Captain Shubham Gubta“ bis „Dr. Ambetkar Chowk“, von wo aus wir das Rote Fort, ein Festunsanlage mit Palast, die auf die islamischen Kaiser (Moguln) zurückgehen, die ab dem 16. bis ins 19.  Jahrhundert praktisch den ganzen Subkontinent beherrschten und von den Briten abgesetzt wurden, wobei ihr Reich unter britische Herrschaft geriet. Auch diese Besichtigung zeugt vom hohen Standart Indiens in früheren Zeiten. Palast und Festung sindvon beeindruckender Architektur und zeugen von den grossen Fähigkeiten der Planer und Erbauer.

Nach der Besichtigung des Forts fahren wir im Bus auf die andere Seite des Flusses Yamuna. Dort liegt das Baby Taj (offiziell das Itimad-ud-Daula-Mausoleum). Es ist ein Mogul-Mausoleum, das als direkter Vorläufer und Entwurf für das weltberühmte Taj Mahal gilt. Es wurde dieses aus einem harten, weissen Marmor erbaut, der aus Indien stammt, und ebenfalls reichlich mit Einlegearbeiten verziert.

Nach dieser Besichtigung machen wir Pause in einem Restaurant und geniessen eine Erfrischung, ein Mango Lassi, um uns auf den nächsten Höhepunkt vorzubereiten, nämlich den Besuch eines Betriebs, der Einlegearbeiten an aus weissem Marmor gefertigten Gebrauchs- und Kunstgegenständen erstellt. Wir bekommen von Fachleuten vorgeführt, wie sie an von Hand betriebenen Schleifsteinen zum Teil winzigste Stücke von Halbedelsteinen zurechtschleifen, wie die passenden Vertiefungen in die Marmorgegenstände mit spitzen, sehr harten Stiften hineingrafieren und wie dann diese in den Vertiefungen befestigt und anschliessend die Oberflächen ganz fein geschliffen werden. Die Arbeit ist anspruchsvoll und erfordert viel Geschick und Konzentration.

Das Abendessen nehmen wir in einem guten Restaurant mit lauter Musik ein. Es schmeckt vorzüglich, allerdings hat Sumi viel zu tun mit der Erklärung der Menu-Karte.

 

Mittwoch. 4. November 2026

Um zehn Uhr treffen wir uns in der Lobby unseres Hotels, bereit für eine lange Fahrt nach Delhi.

 

 

 

 

 

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